Titel

Kein blauer Dunst mehr in Zügen
Letzter Zug - Die rauchfreie Bahn

In den 50er Jahren durfte auch während einer Bahnfahrt noch kräftig dem blauen Dunst gefrönt werden. Foto: Deutsche Bahn AG / Ernst Below / DB Museum
Für die einen ein Graus, für die anderen ein Segen: 2007 Jahren trat ein generelles Rauchverbot in den Zügen und Bahnhöfen der Deutschen Bahn in Kraft. Lediglich auf besonders markierten Bahnsteigbereichen ist seither das Rauchen noch erlaubt. So stieg mit einem Mal die Buchung von Bahnreisen mit einem Zwischenhalt im Bahnhof Hamm/Westfalen erheblich an. Viele Reisende nahmen offenbar sogar einen kleinen Umweg in Kauf, wenn sie dafür während der Zugteilung die Gelegenheit bekamen, für wenige Minuten dem Zug zu entfliehen und auf dem Bahnsteig dem blauen Dunst zu frönen. Auch andernorts geben bis heute freundliche Zugbegleiter den Rauchern einen Hinweis, wenn sich der Halt an einem Bahnhof verlängert und sich so Zeit für eine Raucherpause bietet. Dann bilden sich blitzschnell kleine, verschworene Gemeinschaften auf den Bahnsteigen, die Wind, Wetter und allen Gesundheitsaposteln trotzen. Raucherehen sollen hier schon gestiftet und andere Beziehungen ihr Ende gefunden haben, weil der rauchende Teil der Partnerschaft sich nicht rechtzeitig von dem geliebten Glimmstängel losreißen konnte.  Dass sich in den Anfangstagen des Rauchverbots mit einem Mal ungewöhnlich viele Fahrgäste vor den Zugtoiletten drängelten, blieb indes Episode. Unzweideutige Durchsagen in den Zügen machten rasch deutlich, dass die DB dieses Hintertürchen nicht tolerieren würde und man bei Zuwiderhandlungen aus dem Zug gewiesen würde.


Heute dagegen ist das Rauchen nur noch in ausgewiesenen Bereichen erlaubt. Foto: DB/AG
Unklar ist, wie hoch die Zahl der Reisenden ist, die der Bahn nach Einführung des Rauchverbots für immer den Rücken kehrten, um sich lieber im verrauchten Pkw durch die Staus auf den Autobahnen zu quälen. Wer als Raucher weiterhin mit der Bahn reiste, sorgte unfreiwillig immerhin dafür, dass in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland geschätzte 30 Milliarden Glimmstängel weniger geraucht wurden. Die Bahn hatte die Einführung des Rauchverbots übrigens quasi generalstabsmäßig vorbereitet– mit einem Pilotprojekt im Jahr 2001 am Bonner Hauptbahnhof „An allen Zugängen zum Bahnhof, in den Personentunnels und auf den Bahnsteigen werden Schilder (Längsformat und 60x60) mit Piktogramm (durchgestrichene Zigarette) und folgendem, dreisprachigen Text aufgestellt: In diesem Bahnhof ist das Rauchen nicht gestattet. Raucherbereiche befinden sich auf allen Bahnsteigen und im Coffeehouse“, hieß es seinerzeit unmissverständlich in einer internen Anweisung.

Sänk ju for not smoking!“ Um den Rauchern „die Möglichkeit zu geben, ihre Zigarette zu entsorgen“, wurden an allen Zugängen zum Bahnhof neben die besagten Schilder sogar Aschenbecher aufgestellt. Schon acht Jahre nach diesem Pilotprojekt wurden dann alle Bahnhöfe rauchfrei, auch ohne Aschenbecher. Weil immer weniger Kippen ins Gleisbett geschnippt wurden, geriet ein Vorzeigemodell der Bahnflotte immer mehr aufs Abstellgleis: Der Schienenstaubsauger, ein Unikum in der Entwicklungsgeschichte deutscher Ingenieurskunst, verschwand mehr und mehr aus dem Bild der Öffentlichkeit. Für alle Bahnfreunde, die immer noch wehmütig dem Rauch vergangener Tage nachhängen, gab es zum 10. Jahrestag der Rauchfreien Bahn einen Grund zur Freude: Am  2. und 3. September 2017 fanden die Dampfloktage Meiningen statt. Dabei durften zumindest die Relikte vergangener Eisenbahnepochen kräftig Dampf ablassen und die Schornsteine rauchen lassen. Immerhin!