Titel

Bonner Bahnbrücken mit berühmten Namensgebern
Adenauer und Kennedy am Rhein

Luftaufnahme der Kennedybrücke mit der Stadtbahn  [1]
Auch wenn der 35. Präsident der Vereinigten Staaten vom Amerika, John F. Kennedy,  und der erste Deutsche  Bundeskanzler, Konrad Adenauer, sich nie in Bonn am Rhein getroffen haben, sind sie doch hier als Namensgeber zweier der drei Bonner Rheinbrücken verewigt worden. Die 770 Meter lange Konrad-Adenauer-Brücke im Süden verbindet das sog. Bundesviertel mit Ramersdorf und Beuel. Über den rund 40 Meter langen Überbau verlaufen die Autobahn 562 und die Stadtbahnlinie 66 (Siegburg - Bad Honnef), der sog. Telekom Express und die Linie 68 (Bornheim - Ramersdorf). Mit dem Bau der Brücke wurde 1967 begonnen und diese fünf Jahre später, am 11. Dezember 1972 vom damaligen Bundesverkehrsminister Laurenz Lauritzen für den Verkehr übergeben.  Zunächst war geplant, die Südbrücke in Analogie zu der nach dem ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert benannten Nordbrücke nach dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik, Theodor Heuss, zu benennen. Da jedoch Bundeskanzler Konrad-Adenauer zu Beginn der Bauarbeiten im April 1967 verstorben war und nur wenige Kilometer

Konrad-Adenauer-Brücke mit der BAB 562 und den Stadtbahngleisen [2]
rheinaufwärts in Bad Honnef-Rhöndorf gelebt hatte, entschloss man sich, die neue Brücke Konrad-Adenauer-Brücke zu nennen.  Noch heute ist der erste Bundeskanzler unserer Republik nicht nur im Rheinland als der Alte aus Rhöndorf bekannt.

Etwas weiter nördlich, zwischen dem Bonner Zentrum und Beuel spannt sich die Kennedybrücke über den Rhein. Sie entstand in den Jahren 1948/49 auf den Pfeilern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten alten Bonner Rheinbrücke, die zwischen 1896 und 1898 erbaut wurde. Diese war mit einer Spannweite von 187,92 Metern des Hauptbogens und einer Gesamtlänge von 432 Metern zur damaligen Zeit die größte Bogenbrücke der Welt. Aufgrund der hohen Baukosten von vier Millionen Mark mussten alle Passanten bis 1932 einen Brückenzoll von zwei Pfennigen entrichten. Neben Passanten und den damals noch neuen Kraftfahrzeugen fuhr ab dem 21. Mai 1902 auch die erste elektrische Straßenbahn von der Brückenstraße, heute Bertha-von-Suttner-Platz, über die Brücke in den rechtsrheinischen Stadtteil Beuel. Die Nationalsozialisten nutzten das Prestigebauwerk ab 1933 dann für ihre Zwecke. Es erhielt den neuen Namen Klaus-Klemens-Brücke. Benannt nach dem Bonner SA-Mann Klaus Klemens, der 1930 bei Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Kommunisten vor der Bonner Beethovenhalle erschossen und von den Braunhemden fortan als Märtyrer verehrt wurde. Am 8. März, exakt zwei Monate vor Ende des Krieges, wurde die alte Rheinbrücke von zurückweichenden Wehrmachtssoldaten gesprengt.

Postkartenansicht der alten Bonner Rheinbrücke von 1898 um 1900, noch  ohne Straßenbahngleise [3]

Fahrschein  der Eröffnungsfahrt am 12.11.1949 der Siebengebirgsbahn über die neue Brücke [3]
Drei Jahre nach Kriegsende begann der Wiederaufbau, der am 12. November 1949 mit der Übergabe der rekonstruierten Brücke, welche nun den Namen Neue Rheinbrücke trug, abgeschlossen wurde. Das Bauwerk überspannt den altehrwürdigen Fluss mit einem mittleren Bogen und zwei äußeren Halbbögen. Der mittlere Bogen hat eine Spannweite von 195,80 Metern, die beiden äußeren jeweils eine Spannweite von 99,20 Metern. Nach der Ermordung John F. Kennedys im November 1963 taufte man die Brücke  zu seinen Ehren am 2. Dezember 1963 in Kennedybrücke um. Über sie führen heute die Bundesstraße 56 und u.a. die Stadtbahnlinie 62 (Dottendorf - Oberkassel), die hinter Beuel in die Siebengebirgsbahn einmündet.

Eine optische Besonderheit der Kennedybrücke ist das sog. Brückenmännchen, oder Bröckenmännche, wie die Bonner sagen. Dabei handelt es sich um eine Steinskulptur, die schon an der alten Rheinbrücke angebracht war. Sie zeigt ein Männchen, welches sein Gesäß ursprünglich in Richtung Beuel herausstreckte. Hintergrund dieses nachbarschaftlichen Grußes war die Tatsache, dass die Bonner ihre Brücke fast ausschließlich allein finanzieren mussten, weil sie sich mit den Bewohnern der schäl Sick (Eine im Köln/Bonner Raum gebräuchliche Bezeichnung für die falsche, also die rechte Rheinseite auf der Beuel bekanntlich liegt) zuerst nicht über den genauen Standort einigen konnten und auch kein Geld floss. Nach einigem Hin und Her einigte man sich schließlich aber doch und auch die Beueler zahlten brav ihren Anteil.

Brückenmann in luftiger Höhe mit ausgestrecktem Gesäß [5]
 
Heute zeigt der Hintern des Brückenmännchens übrigens nicht mehr nach Beuel, sondern in Richtung Frankfurt. Bonn hatte sich nämlich  kurz vor der Fertigstellung der Brücke in der Frage nach der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland knapp gegen Frankfurt durchgesetzt... Von April 2007 bis Juni 2011 wurde die Kennedybrücke umfassend saniert. Es entstand ein zusätzlicher Gleiskörper der Stadtbahn 65 zur besseren Anbindung nach Siegburg zum ICE-Bahnhof an der Schnellfahrstrecke Köln - Frankfurt. Außerdem wurde eine Solaranlage zur Stromerzeugung angebracht.


Bildnachweise:
[1] By Wolkenkratzer [CC BY-SA 3.0  (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons
[2] By Nicolas von Kospoth (Triggerhappy) [CC BY-SA 2.5  (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], from Wikimedia Commons
[3] Unbekannt / Archiv
[4] Brückenhofmuseum
[5] Qualle [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia Commons