Titel

Pilotprojekte von DB und SBB
Weiße Schienen gegen Hitze

Die weiße Farbe soll die Temperatur im Gleis um bis zu acht Grad senken. [1]
Cool sehen sie aus, die mit weißer Farbe überzogenen Schienen der ÖBB - und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn Untersuchungen haben ergeben, dass weiß angestrichene Schienen die Temperaturen in der Schiene um circa fünf bis acht Grad Celsius verringern können. So soll dem durch den Klimawandel vermehrt auftretenden Aufheizen der Schienen bei starker Sonneneinstrahlung vorgebeugt und Schäden in Form von Schienenverdrückungen oder Gleisverwerfungen verringert werden.

Experten der ÖBB Infrastruktur haben in Vorarlberg gemeinsam mit Lehrlingen der Lehrwerkstätte Feldkirch ein Fahrzeug entwickelt, mit dem Schienen weiß eingefärbt werden können. Mit einem umgebauten Oberbauwagen, können mehrere Kilometer Schiene in nur wenigen Stunden von "Kopf bis Fuß" lackiert werden. Bei der Entwicklung des Prototypens wurde besonders auf Umweltaspekte geachtet, um einen umweltfreundlichen Einsatz sicher zu stellen. Denn beim Auftragen der Farbe, gelangt diese weder in den Untergrund noch aufs Gleisbett.

Die Deutsche Bahn untersucht seit 2018 die Wirksamkeit von weißer Farbe auf den Schienen. Aufgrund der klimatischen Veränderungen mit lang andauernden, heißen Sommern in Deutschland ist diese Lösung auch für die DB eine Option. Hohe Temperaturen können Schienen und Gleisbett mitunter zu schaffen machen, da sich Stahl bei extremer Hitze ausdehnt. Seit Juli 2019 läuft bereits ein Versuch auf einem Testgelände in Königsborn. Die dort generierten Ergebnisse sind vielversprechend: Die weiße Schiene reflektiert mehr Licht und wird daher deutlich weniger heiß als das herkömmliche Modell.

Beim Brazer Bogen in der Nähe von Bludenz erstrahlen die Schienen der ÖBB auf circa fünf Kilometer Länge in weißer Farbe. Dabei arbeiten die ÖBB an einer Lösung, die die klimafreundlichen Schienen, bei den immer heißer werdenden Sommern, abkühlen soll. Eigentlich logisch, denn helle Oberflächen nehmen Temperaturen weniger leicht auf - das haben sich auch Mitarbeiter der ÖBB Infrastruktur gedacht und daraufhin dieses Testprojekt ins Leben gerufen. Mitte Juli 2019 war es dann so weit, die ÖBB führten einen ersten größeren Test auf einer über fünf Kilometer langen Strecke bei Bludenz durch. Die Schienen sind dort zur Gänze weiß angestrichen. Ganz
Auf der Pfieffetalbrücke bei Melsungen wird weiße Farbe auf die Schienen aufgetragen. [2] 
neu ist die Idee zu den weißen Schienen nicht. Denn diese gibt es beispielsweise auch in der Schweiz oder etwa in Italien, wo sich die Wirksamkeit der weißen Farbe bei intensiver Sonneneinstrahlung bereits bestätigt hat. Die ÖBB befinden sich aktuell in der Evaluierungsphase. Es wird untersucht, ob sich die Schienen in der Praxis tatsächlich weniger stark verformen. Bewährt sich diese Methode, werden weitere Streckenabschnitte mit der weißen Schiene geplant.

Ort des aktuellen „Farb-Härtetests“ in Deutschland ist die Pfieffetalbrücke nahe Melsungen. Die Wahl auf die 61 Meter hohe, 14 Meter breite Spannbetonhohlkastenbrücke fiel vor allem aufgrund der hohen Zugfrequenz auf der Strecke. Zudem sind das Bauwerk und die darauf liegenden Schienen ganzjährig einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Die Zweigleisigkeit bietet ebenfalls perfekte Bedingungen: für den Test wurde ein Gleis im Bereich der Brücke weiß gefärbt, das andere in seiner bestehenden Form belassen. Dies ermöglicht einen direkten Vergleich zwischen den im Stahl beider Schienenstränge gemessenen Temperaturen.

Ein eigens ins Leben gerufenes Expertenteam entwickelt bei der DB weitere Maßnahmen, mit denen sich die Bahn auf veränderte klimatische Bedingungen vorbereitet. Ein Beispiel ist das umfangreiche Vegetationsmanagement, um wetterfester zu werden. Weitere Projekte, die Technik und Anlagen Kühlung verschaffen, sind etwa der Einsatz von Aerogel oder Erkenntnisse aus der Bionik. Im Vordergrund stehen bei allen Maßnahmen, ganz im Sinne der DB-Strategie „Starke Schiene“, die Klima- und Umweltverträglichkeit sowie ein sicherer und zuverlässiger Eisenbahnbetrieb für die Fahrgäste. (ÖBB, DB, th)


Bildnachweise:
[1] ÖBB/Christina Olsacher
[2] Deutsche Bahn AG / Claudia Münchow