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 Historische Juwelen glänzen beim Bahnhof Brig
Schätze aus früheren Jahren 11.07.2019 - 16:10

Historische Juwelen glänzen beim Bahnhof Brig

Das Empfangsgebäude um 1905
Der Bahnhof Brig ist nicht nur ein wichtiger Servicestandort, wo Züge gewaschen und gewartet werden, sondern auch historisch bedeutsam. Auf dem Bahnhofsgelände gibt es einige Schätze aus früheren Zeiten zu entdecken. Kurz bevor die erste Röhre des Simplontunnels 1905 fertig gestellt wurde, hat die SBB die Kreissegment-Remise errichtet – zusammen mit den übrigen Bauten des Depot- und Güterbahnhofareals.
Da der Simplontunnel von Anfang an elektrifiziert war, der Rest der Strecke aber noch unter Dampfbetrieb lief, mussten in Brig die Lokomotiven gewechselt oder untergestellt, gewartet und repariert werden. Darum war eine ausreichend grosse Anlage nötig. Der Grundriss der Remise in Brig hat die Form eines halben Kreises und besitzt heute noch 13 Abstellgleise (Stände) von ehemals 15. Der Durchmesser der Remise misst 80 Meter, jener der Drehscheibe 20 Meter. Heute wird das Gebäude noch als Lokdepot und Werkstatt genutzt. Die Remise bildet zusammen mit der Drehscheibe, der angebauten Werkstatt, dem Wasserturm, dem Transitgüterschuppen («Sägezahn-Schuppen»), dem Zollgebäude, zwei Arbeiterhäusern und diversen Lagerhallen ein Ensemble aus der Entstehungszeit des Simplontunnels und ist somit von sehr hohem eisenbahnhistorischem Wert. Brig ist der grösste Grenzbahnhof der SBB in der Westschweiz. Er befindet sich an der Landesgrenze zu Italien, die durch den Simplontunnel verläuft. Mit dem Simplontunnel (die erste Tunnelröhre wurde 1906, die zweite 1922 in Betrieb genommen) und damit der Anbindung an das grenzüberschreitende Eisenbahnnetz nahm Brig auf nationaler Ebene eine hohe Bedeutung ein.
Neben Chiasso entwickelte sich Brig zum wichtigsten Grenzbahnhof an der Schweizer Südgrenze. Der Anschluss dreier Privatbahnen (Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn, Furka-Oberalpbahn und Visp-Zermatt-Bahn) an die Linie der SBB in Brig liess den Grenzbahnhof auch zum Eisenbahnknotenpunkt werden. Das Verkehrsaufkommen war vor allem im touristischen Bereich hoch. So verkehrte beispielsweise der Simplon-Orientexpress in den Zwischenkriegsjahren täglich zwischen Paris und Istanbul und machte dabei in Brig Halt.

Die Kreissegment-Remise hatte ursprünglich 15 Abstellgleise
Der Wasserturm

Vom Wasserturm steht heute nur noch der Sockel
Die Wassertürme der Bahn dienten der Versorgung der Wassertanks (Tender oder Wasserkasten) von Dampflokomotiven. Wasser war neben dem Brennstoff Kohle der wichtigste Betriebsstoff für die Dampflokomotiven. Der Wasserturm von Brig wurde gegen 1904 gebaut und versorgte drei Wasserkräne und mehrere Hydranten mit Wasser. Heute steht noch der kegelstumpfförmige Sockel des Wasserturms, der etwa 7 Meter hoch ist und hat an der Basis einen Durchmesser von 11,5 Meter hat.
Über diesem Sockel befand sich der Hochbehälter, der von einem Kegeldach geschützt wurde. Der Behälter ist heute nicht mehr vorhanden. Er war schätzungsweise 4,5 Meter hoch und besass einen Durchmesser von etwa 9 Metern. Die Elektrifizierung des Briger Bahnhofs 1919 machte die Funktion des Wasserturms überflüssig. Heute dient sein Sockel noch als Abstellraum. Der Sockel ist eine sehr auffällige Erscheinung, die an eine Festungsarchitektur erinnert. Seine gedrungene Form ist im Vergleich zu den noch bestehenden Schweizer Wassertürmen, die schlanker wirken, eher untypisch und stellt eine Besonderheit dar. Als einer der letzten Wassertürme der Schweiz bleibt der Briger Turm ausserdem ein unverzichtbarer Zeuge des Dampfzeitalters.

Der Sägezahn-Schuppen
In den 1860er-Jahren nahm der Gütertransport per Bahn sehr stark zu und wurde für die meisten Schweizer Bahnen zur wichtigsten Einnahmequelle. Darum wurde eine entsprechende Infrastruktur an den Bahnhöfen benötigt – so auch in Brig. 1903 wurde ein Transitgüterschuppen als Umschlagplatz für Transitgüter gebaut, also für Waren, die sich auf der Durchfuhr befanden. Der Schuppen ist ein bedeutendes Element des Grenzbahnhofs, an dem neben dem Güterumschlag auch die Güterzwischenlagerung, der Lokomotivwechsel und die Zollkontrolle eine wichtige Rolle spielen.

Der Transitgüterschuppen. Fotos: SBB
In den 1860er-Jahren nahm der Gütertransport per Bahn sehr stark zu und wurde für die meisten Schweizer Bahnen zur wichtigsten Einnahmequelle. Darum wurde eine entsprechende Infrastruktur an den Bahnhöfen benötigt – so auch in Brig. 1903 wurde ein Transitgüterschuppen als Umschlagplatz für Transitgüter gebaut, also für Waren, die sich auf der Durchfuhr befanden. Der Schuppen ist ein bedeutendes Element des Grenzbahnhofs, an dem neben dem Güterumschlag auch die Güterzwischenlagerung, der Lokomotivwechsel und die Zollkontrolle eine wichtige Rolle spielen. Der 192 Meter lange Güterschuppen in Brig hat einen Grundriss in Sägeform. Um ein ungehindertes Auswechseln der Wagen zu ermöglichen und die Verladerampen zu verlängern, ist der Schuppen auf seiner Nordseite abgestuft und mit je einem eigenen Anschlussgleis samt Rampe ausgestattet. Seine aussergewöhnliche Form ist heute einmalig in der Schweiz und somit von besonderer Bedeutung. Ein weiterer Sägezahnschuppen dieser Zeit war der Stückgüterbahnhof in Zürich. Dieser wurde jedoch bis auf zwei Hallen zurückgebaut. (SBB)

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