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 Maßnahmenpaket für den Winter im Bayerischen Oberland
Reaktion auf Probleme im Vorjahr 27.11.2019 - 10:58

Maßnahmenpaket für den Winter im Bayerischen Oberland

Aufgrund der massiven Win­ter­pro­ble­me im Baye­ri­schen Oberland im Januar 2019 hatte die Baye­ri­sche Ei­sen­bahn­ge­sell­schaft (BEG), die im Auftrag des Frei­staats den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, fi­nan­ziert und kon­trol­liert, noch im ver­gan­ge­nen Winter von allen Be­tei­lig­ten um­fas­sen­de Maßnahmen zur ver­bes­ser­ten Win­ter­vor­be­rei­tung gefordert. Im Ober­land­netz waren die Fahrgäste sei­ner­zeit von un­trag­ba­ren Zuständen wie Stre­cken­sper­run­gen und Zu­g­aus­fäl­len, fehlenden bzw. falschen Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen oder einem man­geln­den Stör­fall­ma­nage­ment betroffen.

Die Win­ter­pro­ble­me im Baye­ri­schen Oberland waren vorrangig auf eine un­zu­rei­chen­de Räumung durch den In­fra­struk­tur­be­trei­ber DB Netz AG zu­rück­zu­füh­ren. Aus Sicht der BEG hätte der Betrieb bei einer schnel­le­ren und um­fang­rei­che­ren Räumung zumindest länger auf­recht­er­hal­ten bzw. nach Ende der Schnee­fäl­le schneller wieder auf­ge­nom­men werden können. Obwohl die BEG mit der DB Netz AG in keinem direkten Ver­trags­ver­hält­nis steht und somit auch über keine ver­trag­li­chen Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten verfügt – für die Fi­nan­zie­rung der Schie­nen­in­fra­struk­tur ist laut Artikel 87e Grund­ge­setz der Bund zuständig – hat die BEG intensive Gespräche mit der DB Netz AG auf re­gio­na­ler Lei­tungs­ebe­ne geführt und auf eine deutlich ver­bes­ser­te Win­ter­vor­be­rei­tung gedrängt.

Die DB Netz AG hat in den Ge­sprä­chen ein um­fas­sen­des Maß­nah­men­pa­ket zugesagt, von dem nicht nur die Fahrgäste im Baye­ri­schen Oberland, sondern auch in ganz Bayern pro­fi­tie­ren. Als we­sent­li­che Beispiele seien genannt:

Op­ti­mier­te Sta­tio­nie­rung von Schnee­räum­tech­nik und Personal:
  • Erhöhung des Personals für die Bedienung der Schneeräumtechnik
  • Feste Stationierung einer Schneefräse in Rosenheim sowie einer zusätzlichen Schneefräse in München Ost (damit komplette Abdeckung des Alpenraums)
  • Schaffung einer personellen Einsatzbereitschaft zur kurzfristigen Durchführung notwendiger Vegetationsarbeiten
In­ten­si­vier­te Schulung/Über­wa­chung sowie Fle­xi­bi­li­sie­rung des Personals:
  • Besseres Training des Personals u. a. durch intensivierte örtliche Einweisungen sowie Bereitstellung neuer Übungsunterlagen
  • Verbesserte Überprüfung der Anwesenheit/Arbeitsleistung von Räumtrupps
  • Möglichkeit der Verstärkung des Personals bei extremen Wetterlagen
Neu­struk­tu­rie­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Ver­kehrs­un­ter­neh­men
  • Bessere Erfassung von Streckensperrungen in einer interaktiven Winterkarte, um Räumprogramme besser abbilden zu können
  • Einrichtung regionaler Arbeitsstäbe (insbesondere im Oberland)
  • Überarbeitung und Detaillierung der Räumkonzepte (komplette Neuerstellung für das Oberlandnetz)
Ergänzend dazu hat auch der Sta­ti­ons­be­trei­ber DB Station&Service AG die Win­ter­vor­be­rei­tun­gen verstärkt:
  • Abgestimmte Vorgehensweise zur schnellen Reaktion bei Schlechtleistern
  • Szenarien zur schnellen Unterstützung bei extremen Schneefällen mit verschiedenen Kommunen in Vorbereitung
  • Verpflichtung der Dienstleister, im Bedarfsfall bei besonders relevanten Bahnhöfen kurzfristig (innerhalb von 30 Minuten) vor Ort zu sein
  • Einsatz eines Steuerungskoordinators zum gezielten Nachfassen bei verspäteten Einsätzen
  • Deutlich härtere und klarere Ausformulierung vertraglicher Sanktionen
  • Verstärkte Vor-Ort-Kontrollen bei den eingesetzten Personalen
Neben den in­fra­struk­tu­rel­len Ein­schrän­kun­gen kam es auch zu massiven Problemen, welche die Baye­ri­sche Ober­land­bahn (BOB) zu ver­ant­wor­ten hatte, ins­be­son­de­re bei der Be­stel­lung und Durch­füh­rung der Er­satz­ver­keh­re sowie der In­for­ma­ti­on der Fahrgäste. Die BEG hatte die Ge­schäfts­füh­rung der BOB daher bereits am 08. Februar 2019 zu einem Kri­sen­ge­spräch ein­be­stellt und mit der BOB zahl­rei­che Maßnahmen zur Ver­bes­se­rung der Be­triebs­qua­li­tät und der Win­ter­vor­be­rei­tun­gen ver­ein­bart, die laufend um zu­sätz­li­che Maßnahmen ergänzt wurden. Im Rahmen wö­chent­li­cher Gespräche mit der BOB-Ge­schäfts­füh­rung hat sich die BEG über den je­wei­li­gen Um­set­zungs­stand un­ter­rich­ten lassen. 

Einen Schwer­punkt stellen drei von der BEG be­auf­trag­te Gutachten zur Über­ar­bei­tung der Stör­fall­kon­zep­te, der Ver­bes­se­rung der Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen sowie zur Über­prü­fung der Wartung/In­stand­hal­tung dar, an denen sich die BEG fachlich und fi­nan­zi­ell beteiligt hat.
  • Durch die grundlegende Überarbeitung des Störfallhandbuchs für das Netz „Bayerisches Oberland“ sollen ein standardisiertes und transparentes Vorgehen bei Störungen und ein schneller sowie wenig fehleranfälliger Übergang in ein stabiles Ersatzkonzept gewährleistet werden. Ein wichtiger Bestandteil stellt dabei auch die Begleitung der Einführung der Störfallkonzepte in der BOB-Betriebsleitzentrale sowie die Übung ausgewählter Szenarien mit allen Beteiligten zum Erlernen eines routinemäßigen Umgangs mit Störfallsituationen dar. Die Überarbeitung des Störfallhandbuchs soll noch im Jahr 2019 abgeschlossen sein, so dass die neuen Störfallkonzepte bereits in der bevorstehenden Wintersaison greifen.
  • Im Rahmen einer Begutachtung der Fahrgastinformation findet eine transparente Untersuchung der Prozesse und des Personaleinsatzes der BOB zur Erzeugung von Fahrgastinformationen sowie der Weitergabe der Informationen an verschiedene Abnehmersysteme (Fahrplaninformations-Apps und Websites, Fahrgast-informationssysteme an den Bahnhöfen und in den Zügen, Kundenberater der BOB) statt. Des Weiteren erfolgt eine gesamthafte (bayernweite) Betrachtung der Fahrgastinformationssysteme, auch über die BOB hinaus. Ziel ist die Ableitung von konkreten Maßnahmenpaketen für ein verbessertes und konsistentes Fahrgastinformationsangebot über alle relevanten Informationskanäle. Die Identifikation möglicher Maßnahmen wurde bereits abgeschlossen, derzeit befinden sich erste Maßnahmen in der Umsetzung.
  • Zusätzlich lässt die BEG die Qualität und Quantität der Wartung und Instandhaltung der störanfälligen BOB-Fahrzeuge durch einen externen Gutachter überprüfen. Die Begutachtung soll Erkenntnisse zu Verbesserungspotenzialen bei allen Prozessen der Instandhaltungskette liefern. Aufgrund der Tatsache, dass auch die Werkstattprozesse einer intensiven Prüfung unterzogen wurden, wirken die Ergebnisse auch langfristig über die Inbetriebnahme der Neufahrzeuge im Jahr 2020 hinaus. Der Endbericht des externen Gutachters wird in Kürze erwartet, so dass anschließend mit der Maßnahmenumsetzung begonnen werden kann.
Ergänzend dazu hat die BOB zahl­rei­che weitere Ein­zel­maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Win­ter­vor­be­rei­tung in den Bereichen Betrieb bzw. Be­triebs­leit­zen­tra­le umgesetzt. Als Beispiele seien genannt:
  • Abstimmung von Räumfahrten auf besonders kritische Züge (z. B. Schülerzüge)
  • Verstärkte Freigabe/Mitnahme im RVO-Linienverkehr
  • Überarbeitung der Winter-Checkliste
  • Intensive Aufarbeitung der vergangenen Winterkrise mit der DB Netz AG
  • Ausbildung weiterer Triebfahrzeugführer für Räum- und Spurlokeinsätze
  • Vorstellung der Räumanforderungen an einzelnen Bahnübergängen gegenüber den Gemeinden
Weitere Maßnahmen im Ober­land­netz befinden sich derzeit noch in Umsetzung:
  • Prüfung des Einsatzes von Rettungskräften (THW, Feuerwehr etc.) zur Freihaltung der Infrastruktur im Krisenfall
  • Beschaffung von eigenem Räummaterial zur Unterstützung von DB Netz
„Die In­ter­ven­ti­on der BEG hat dazu geführt, dass DB Netz, DB Station&Service und die BOB deutlich besser für den kommenden Winter gerüstet sind. Wichtig ist, dass die vor­ge­stell­ten Maßnahmen vorab im Rahmen von Win­ter­übun­gen trainiert und im Ernstfall kon­se­quent umgesetzt werden", so BEG-Ge­schäfts­füh­rer Thomas Prechtl. Zwar kann auch zukünftig nicht aus­ge­schlos­sen werden, dass es ins­be­son­de­re bei extremen Wet­ter­la­gen zu Ein­schrän­kun­gen im Betrieb kommt. Das Maß­nah­men­pa­ket zur Win­ter­vor­be­rei­tung soll jedoch si­cher­stel­len, dass eine schnelle und ef­fi­zi­en­te Räumung der Strecken und Stationen ge­währ­leis­tet ist. Des Weiteren wurden viele Vor­keh­run­gen getroffen, dass die Fahrgäste bei wit­te­rungs­be­ding­ten Ein­schrän­kun­gen von der BOB früh­zei­ti­ger und besser in­for­miert werden und außerdem zu­ver­läs­si­ge und stan­dar­di­sier­te Er­satz­kon­zep­te greifen. Jedoch sind die Fahr­gast­in­for­ma­ti­ons­sys­te­me nicht nur im Oberland sondern in ganz Deutsch­land so komplex, dass heute noch nicht alle In­for­ma­tio­nen jederzeit und überall in aus­rei­chen­der Qualität verfügbar sind. „Eine Situation, wie wir sie im Januar 2019 vor­ge­fun­den haben, darf sich nicht wie­der­ho­len. Dies gilt nicht nur für den be­vor­ste­hen­den Winter, sondern auch für die kommenden Jahre. Wir erwarten, dass die Maßnahmen lang­fris­tig ver­ste­tigt und auf­recht­er­hal­ten werden. Die BEG wird diesen Prozess weiterhin eng begleiten“, so Prechtl. (BEG)

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