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 Freie Bahn trotz Schnee und Eis
Zehntausende Einsatzkräfte bundesweit in Bereitschaft 06.12.2019 - 16:09

Freie Bahn trotz Schnee und Eis

Damit die Züge auch in den Wintermonaten möglichst reibungslos rollen und die Reisenden verlässlich ihr Ziel erreichen, bereitet sich die Bahn schon Monate im Voraus auf die kalte Jahreszeit vor. Zehntausende DB-Mitarbeiter, Winterdienst-Profis und Spezialfahrzeuge stehen bei Schnee und Eis bereit, um Bahnsteige und Gleise schnellstmöglich freizuräumen. Züge und Loks macht die Bahn in ihren Werkstätten winterfest und hält sie laufend instand. Kann der Fahrplan aufgrund widriger Witterung nicht eingehalten werden, ist oberste Priorität, die Reisenden unmittelbar zu informieren. Neben dem DB Navigator und Durchsagen erreicht die DB ihre Fahrgäste über mehr als 6.000 dynamische Schriftanzeiger auf den Bahnhöfen. Insgesamt stehen in diesem Jahr 70 Millionen Euro für die Wintervorbereitungen zur Verfügung. 

Um den Anforderungen des Winters gerecht zu werden, müssen auch bei der Bahn besondere Maßnahmen ergriffen werden. [1]
Reisende sollen in der kalten Jahreszeit wie gewohnt komfortabel zu ihren Zügen gelangen und die Angebote im Bahnhof nutzen können. Daher setzt die Bahn an ihren Stationen ein umfangreiches Winterprogramm um. Bereits bei sommerlichen Temperaturen wurden Streugut, Schaufeln und Besen beschafft sowie Mitarbeiter und Räumfirmen geschult. Diese stehen im Winter rund um die Uhr in Bereitschaft, um wichtige Flächen wie Zugänge und Bahnsteige von Schnee und Eis zu befreien. In größeren Bahnhöfen helfen Kehrmaschinen und Schneeräumfahrzeuge.  Mit geologischen Daten und Live-Auswertungen sorgt eine Winterdienstdatenbank dafür, dass Mensch und Technik zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Durch die sogenannte Near Field Communication, die man vom bargeldlosen Bezahlen kennt, kann der Status der Arbeiten durch Ein- und Auschecken der Räumkräfte am Bahnsteig überprüft werden. Trotz dieser Steuerung sind extreme und regional unterschiedliche Witterungsverhältnisse dennoch eine große Herausforderung für den Winterdienst in den Bahnhöfen.

Weit vor Einbruch der kalten Jahreszeit hat die DB ihre Züge und Fahrzeuge umfangreich gecheckt. Fachkräfte in den Werkstätten haben dafür unter anderem Stromabnehmer abgefettet, Sandstreuanlagen und Fahrzeugbatterien überprüft oder Scheibenwaschanlagen mit Wasser und Frostschutzmittel gefüllt. Dieses Programm absolvieren nicht nur Personenzüge. Auch Güterloks bekommen die vorbeugende Behandlung. Triebfahrzeuge, die mit Diesel unterwegs sind, erhalten außerdem einen speziellen Winterdiesel, der Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius standhält. Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, können die Fahrgäste schon zu Betriebsstart in einen angenehm warmen Fahrgastraum einsteigen. Dafür heizt die DB abgestellte Triebfahrzeuge und Personenzüge elektrisch vor, was nicht zuletzt auch die Batterien schont. Vor und während der Zugfahrt betätigt der Lokführer immer mal wieder kurz die Bremsen und fährt den Stromabnehmer hoch und runter. Damit verhindert er, dass diese wichtigen Bauteile festfrieren. Moderne Triebzüge melden die korrekte Funktion des Stromabnehmers dank Diagnosetechnik selbstständig. 
Eine Glykol-Sprühanlage im ICE-Werk Frankfurt verhindert Vereisung der Züge. [2]
Für die laufende Instandhaltung taut die Bahn ihre Fahrzeuge mit Warmwasser oder warmer Luft auf. Dafür stehen in Reinigungs- und Werkhallen des Personenverkehrs knapp 80 Spezialanlagen bereit. Im ICE-Werk Frankfurt am Main ist zusätzlich eine Glykol-Behandlungsanlage installiert, um die Anhaftung von Eis und Schnee am Fahrzeug zu vermeiden. An schweren Wintertagen sind die Werkstätten zudem länger geöffnet. Schichten werden nach Bedarf flexibel und kurzfristig umgeplant.

Im Winter besonders empfindlich sind die rund 70.000 Weichen. In Knoten und auf stark befahrenen Strecken verfügen daher etwa 12.700 dieser Anlagen über eine Antriebsabdeckung. Diese schützt die Weiche vor Schneeverwehungen und von Zügen herabfallenden Eisbrocken. 49.000 Weichen haben außerdem eine Heizung, die ein Einfrieren der beweglichen Teile verhindert. Alle Anlagen wurden vor dem Wintereinsatz intensiv getestet. In Nord- und Ostdeutschland hat die DB außerdem alle 5.800 ferngesteuerten Weichenheizungen an eine digitale Diagnoseplattform angeschlossen. Durch kontinuierliche Überwachung können sich anbahnende Störungen frühzeitiger erkannt und behoben werden. Weitere Regionen sollen nach und nach ebenfalls die Technik erhalten.

Trotz aller Vorkehrungen können Weichenheizungen bei Extremfrost oder starken Schneeverwehungen an ihre Grenzen geraten. Dann kommen rund 18.000 Räum- und Sicherungskräfte zum Zuge, die die Fahrbahn per Hand wieder freimachen. Abhängig von den Straßenverhältnissen sind die Winterdienst-Profis dabei so schnell wie möglich vor Ort.
Nicht nur Gleise und Weichen, sondern auch Bahnsteige und Zuwege müssen schnee- und eisfrei gehalten werden. [3]
Ergänzend setzt die DB schwere Loks ein, die über verschneite Gleise fahren und eine Spur durch den Schnee ziehen. Die den „Spurloks“ nachfolgenden leichtere Züge können die Gleise so wieder ungehindert befahren. Bei Schneehöhen von über vierzig Zentimetern und langandauernden Schneefällen reichen diese Maßnahmen auch nicht mehr aus. Für diese Fälle stehen an strategischen Punkten im Netz 70 Schneepflüge, -schleudern und Instandhaltungsfahrzeuge mit Schneeräumtechnik bereit. Da es erfahrungsgemäß eher selten ist, dass das gesamte Bundesgebiet gleichzeitig unter einer hohen Schneedecke versinkt, helfen gerade nicht benötigte Fahrzeuge in stark verschneiten Regionen aus. Die Koordination dieser Aktivitäten übernehmen sieben regionale und ein zentrales Lagezentrum.  

Um Wetterentwicklungen genau im Auge zu behalten, greift die Bahn auf verschiedene Prognosesysteme zurück. Gerade mit Blick auf Schnee oder Extremwetter nutzt die DB die Daten, um möglichst weit im Vorfeld die Lage einzuschätzen und daraus Schlüsse für den weiteren Verlauf des Zugverkehrs zu ziehen. Das kann von reduzierten Geschwindigkeiten bis zum Warten der Züge in den Stationen reichen. Präzise Prognosen helfen auch dabei, den Technik- und Personaleinsatz sowie die Bereitschaften noch besser zu planen. Wichtig ist, dass relevante Vorhersagen frühzeitig vorliegen sowie die Daten bundesweit verfügbar und natürlich belastbar sind. An der Schnellfahrstrecke Erfurt–Nürnberg hat die Bahn für streckenbezogene Livedaten zusätzlich vier eigene Wetterstationen errichtet.  

Untersuchungen von Klimaforschern zeigen, dass schwere Stürme, Starkregen, Hitzeperioden sowie örtlich starker Frost und Schneefall zunehmen werden. Mit ihrem 33.400 Kilometer langen Streckennetz, rund 5.700 Bahnhöfen und täglich 40.000 Zugfahrten ist die DB – trotz aller Vorbereitungen – nicht immer gegen derartige Extremwetter gefeit. Um den klimatischen Veränderungen und deren Folgen besser zu begegnen, hat die DB ein neues Team aus Forstwirten, Bauingenieuren, Wasserwirtschaftlern und Geowissenschaftlern ins Leben gerufen. Die DB-Spezialisten werten bisherige Wetterereignisse aus und entwickeln konkrete Maßnahmen, mit denen sich die Bahn personell, technisch und betrieblich für die klimatischen Veränderungen wappnet. So wurde unter Federführung des Teams etwa das Vegetationsmanagement an Bahnstrecken intensiviert, um einen robusten, wetterfesten Baumbestand zu generieren. (DB)

Bildnachweise:
[1] DB-AG/Jochen Schmidt
[2] DB-AG/Pablo Castagnola
[3] DB-AG

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