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 Dialog zum künftigen SPNV-Angebot in Bayern
Informationsveranstaltungen der BEG 19.12.2019 - 14:54

Dialog zum künftigen SPNV-Angebot in Bayern

Im Rahmen von drei Informa­ti­ons­ver­an­stal­tungen in Kaufbeuren, Lindau und Kempten hat die Bayerische Eisenbahn­ge­sell­schaft (BEG) in den vergangenen Wochen Mandats­träger und Vertreter von Fahrgast­ver­bänden und -initiativen aus dem Allgäu über die Weiter­ent­wicklung des Schienen­per­so­nen­nah­verkehrs in der Region informiert. Ausgangspunkt für die umfang­reichen Änderungen am Fahrplan im Allgäu ist die Elektri­fi­zierung der Strecke (München –) Geltendorf – Memmingen – Lindau, die Ende 2020 abgeschlossen sein wird.  Ziel des Ausbaus der Strecke durch den Bund ist es, die Fahrzeit im dann zweistündlich angebotenen Fernverkehr zwischen München und Zürich auf unter drei Stunden und 30 Minuten zu verkürzen. Auch der Regional­verkehr zwischen München, Memmingen und Lindau, der bisher mit diesel­be­triebenen Fahrzeugen gefahren wird, soll aus ökologischen und wirtschaft­lichen Gründen nach Fertig­stellung des Ausbaus elektrisch betrieben werden. Diese Verkehrs­leis­tungen im künftigen E-Netz Allgäu hatte die BEG gemeinsam mit Baden-Württemberg daher 2017 europaweit ausgeschrieben.

Die Zukunft des Nahverkehrs im Allgäu ist derzeit Thema bei der BEG. Sie will auch bis mindestens 2030 an der Baureihe 612 festhalten. Foto: DB/AG-Uwe Miethe
Den Zuschlag erhielt das Verkehrs­un­ter­nehmen Go-Ahead, das ab Ende 2021 nach Vorgaben der BEG mit spurtstarken Elektro­triebwagen und einem deutlich erweiterten und beschleu­nigten Angebot sowie mehr Direkt­ver­bin­dungen auf der elektri­fi­zierten Strecke startet. Fahrgäste können dann z. B. jede zweite Stunde eine neue schnelle Regional­zug­ver­bindung zwischen München und Memmingen nutzen, deren Fahrzeit sich gegenüber dem heutigen Regional­zug­angebot um etwa eine halbe Stunde verkürzt. Zwischen Memmingen und Lindau weitet die BEG das Angebot auf einen Stundentakt aus. Zudem gibt es künftig im Regional­verkehr zweistündlich Direkt­ver­bin­dungen von München ins Württem­ber­gische Allgäu, zum Beispiel nach Leutkirch und Wangen. Bereits vor den großen Verände­rungen ab Ende 2021 profitiert das Allgäu von Verbes­se­rungen im Fahrplan im Rahmen eines Sonder­pro­gramms des Freistaats, das in ganz Bayern den Stundentakt herstellen soll: Ab Juni 2020 weitet die BEG in der Region auf der Strecke Kaufbeuren – Füssen das Angebot frühmorgens und spätabends aus.

Das nicht elektri­fi­zierte Ober- und Ostallgäu inklusive der kreisfreien Städte Kempten und Kaufbeuren hatten im Vorfeld Bedenken geäußert, nach der Fertig­stellung der Elektri­fi­zierung schlechter an die Landes­hauptstadt angebunden zu sein. Stefan Bosse, Oberbür­ger­meister von Kaufbeuren und Vorsit­zender des Regionalen Planungs­verbands Allgäu erklärt: „Wir haben durch die Informa­ti­ons­ver­an­stal­tungen der BEG ein gemeinsames Verständnis entwickelt, was derzeit machbar und ökologisch ist. Wir werden uns weiterhin für die Elektri­fi­zierung weiterer Allgäuer Strecken einsetzen, sodass sich langfristig die Anzahl der Direkt­ver­bin­dungen Richtung München wieder erhöht.“ Bärbel Fuchs, Geschäfts­führerin der BEG begründet die Änderungen am Fahrplan­konzept: „Es ist weder ökologisch noch wirtschaftlich vertretbar, dass wir eine unverändert hohe Anzahl an diesel­be­triebenen Zügen aus dem südlichen Allgäu auf der frisch elektri­fi­zierten Strecke nach München fahren lassen. Das wäre absurd. Die Devise lautet: So wenig wie möglich ‚Diesel‘ unter Fahrdraht, aber weiterhin Direkt­ver­bin­dungen in die Landes­hauptstadt aus allen Teilen des Allgäus. Zwischen diesen beiden Zielen mussten wir einen Kompromiss finden.“

Deshalb reduziert die BEG im neuen Fahrplan­konzept ab Ende 2021 teilweise die Zahl der umstei­ge­freien Verbin­dungen aus dem Ober- und Ostallgäu nach München. Das heißt, die Fahrgäste müssen künftig öfter in Buchloe umsteigen. Aber: Wichtige Direkt­ver­bin­dungen aus dem südlichen Allgäu nach München­bleiben bestehen. Und: Die Zahl der Verbin­dungen insgesamt nach München erhöht sich meist sogar. Zwischen Lindau, Oberstdorf, Immenstadt, Kempten und Buchloe profitieren die Fahrgäste von einem Stundentakt. Diese Verkehre erbringt DB Regio mit diesel­be­triebenen Neigetech­nikzügen vom Typ VT612. Ab Buchloe fahren die Züge jede Stunde abwechselnd entweder direkt nach München oder Augsburg weiter. In den Zwischen­stunden müssen die Fahrgäste entweder Richtung München oder Augsburg umsteigen. Damit sind München und Augsburg aus dem Oberallgäu weiterhin stündlich schnell erreichbar, Direkt­ver­bin­dungen nach München gibt es jede zweite Stunde. Zwischen Füssen und Buchloe können Fahrgäste mit der Bayerischen Regiobahn stündlich reisen. Die meisten Züge aus Füssen verkehren direkt weiter nach Augsburg. In diesen Fällen bestehen in Buchloe kurze Umstei­ge­zeiten in die elektrisch betriebenen Züge nach München. Es wird aber auch aus Richtung Füssen über den ganzen Tag verteilt weiterhin einzelne Direkt­ver­bin­dungen nach München geben.

Auch die Fahrzeuge, die im Allgäu künftig zum Einsatz kommen, waren bei den Informa­ti­ons­ver­an­stal­tungen ein Thema. Mehrfach gab es Wortmel­dungen, ob auf den nicht elektri­fi­zierten Strecken die Dieselzüge nicht durch Fahrzeuge mit alternativen Antriebs­tech­no­logien ersetzt werden könnten, zum Beispiel mit reinen Akku- oder zusätz­lichen Wasserstoff-Brennstoff­zel­len­an­trieben. Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass die nicht elektri­fi­zierten Strecken­ab­schnitte im Allgäu für Akku-Fahrzeuge derzeit zu lang sind. Zum anderen verfügen die aktuell vorhandenen Fahrzeuge mit Wasser­stoff­antrieb nicht über die nötige Fahrdynamik und Höchst­ge­schwin­digkeit, um die anspruchs­vollen Fahrplan­konzepte in der Region fahren zu können.  Die BEG will auch nach 2030 – nach voraus­sicht­lichem Ende der Lebensdauer der aktuellen Fahrzeuge vom Typ VT 612 – an der Neigetechnik festhalten. Durch die damit verbundenen schnellen Fahrzeiten können in Lindau weiterhin attraktive Anschlüsse aus dem Ober- und Westallgäu in die Ostschweiz und nach Zürich hergestellt werden. Das neue Neigetech­nik­fahrzeug soll dann sowohl fahrlei­tungs­ge­bunden als auch mit dann weiter­ent­wi­ckelten alternativen Antriebs­kon­zepten fahren können. Derzeit laufen entspre­chende Gespräche mit den Fahrzeug­her­stellern. (BEG)

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