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 Unpünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart nicht verwunderlich
VCD-Baden-Württemberg 03.02.2020 - 14:49

Unpünktlichkeit der S-Bahn Stuttgart nicht verwunderlich

Die hohen Verspätungswerte für die S-Bahn Stuttgart sind für den ökologischen Verkehrsclub VCD nicht verwunderlich. „Wir begrüßen den fast durchgängigen 15-Minuten-Takt. Dieser Takt ist ein wichtiger Baustein für die Verkehrswende in der Region Stuttgart. Allerdings fehlen bei der derzeitigen Infrastruktur mit der Verdichtung des Fahrplans die früheren Erholungspausen, die das S-Bahn-System benötigt, um Verspätungen abzubauen“, erklärt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb.  Darauf hatte der VCD schon früher hingewiesen. Wenn in den nächsten Jahren auch zwischen 10 und 12 Uhr der 15-Minuten-Takt eingeführt werde, würden die Pünktlichkeitswerte noch weiter fallen, prognostiziert deshalb der VCD.

Der VCD in Baden-Württemberg sieht die Verspätungen bei der Stuttgarter S-Bahn auch in Kapazitätsproblemen begründet. Foto: VCD/BW
Als Begründung für die Verspätungen führe die S-Bahn Stuttgart die kurze Haltezeiten von 30 Sekunden an, die an den Stationen der S-Bahn-Strecke zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen regelmäßig aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens überschritten würden. Dies sei aus VCD-Sicht nachvollziehbar, weshalb auch ein neues Signalsystem  (ETCS) zur Verkürzung der Zugfolge seine Berechtigung habe. Allerdings sei damit aus VCD-Sicht auch klar, dass die Erwartungen von Teilen der Politik und der Verkehrsplaner, ETCS könne sowohl Verspätungen abbauen als auch noch zusätzliche Zugfahrten durch den S-Bahn-Tunnel ermöglichen, eine nicht erfüllbare Wunschvorstellung sei.

Hier limitierte der zu sparsame Ausbau der Infrastruktur in den 1970er Jahren leider dauerhaft den Ausbau des Nahverkehrs. Die S-Bahn Stuttgart habe heute deutlich mehr Fahrgäste, als beim Bau prognostiziert. Anders als in Frankfurt und München seien damals statt geplanter drei Bahnsteiggleise in der S-Bahn-Station Hauptbahnhof nur zwei Gleise mit zwei Bahnsteigen gebaut worden, die sich heute mit vernünftigem Aufwand nicht erweitern ließen, beklagt der VCD. Damit könnten die Zeiten des Fahrgastwechsels nicht weiter verkürzt werden. Parallelen sieht der VCD zum neuen Fern- und Regionalbahnhof Stuttgart 21, der mit nur acht Gleisen im Bau sei. Auch hier würde heute nicht zukunftsfähig gebaut, sondern nur für den nahen Planungshorizont 2030 Kapazitäten vorgehalten.

Auch wenn ein Gutachten jetzt eine deutliche Steigerung der Verkehrsnachfrage bei Bus und Bahn bis 2030 prognostiziere, sei damit noch keine signifikante Verkehrsverlagerung von den Straßen erkennbar. Eine klimaneutrale Mobilität im Jahr 2050 erfordert aus VCD-Sicht noch deutlich stärkere Anstrengungen zur Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung und damit auch mehr Infrastruktur für Bus und Bahn. Deshalb plädiert der VCD unter dem Motto "Ergänzen statt Ersetzen" weiterhin für einen Erhalt von Teiles des bestehenden Stuttgarter Kopfbahnhofs und seiner Zulaufstrecken, um auch für die zukünftigen Anforderungen ausreichend Kapazitäten zu haben. (VCD Baden-Württemberg)

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