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 Umbau des Bahnhofs Mürzzuschlag
Semmering-Basistunnel 21.02.2020 - 14:43

Umbau des Bahnhofs Mürzzuschlag

Seit fast einem Jahr wird in Mürzzuschlag unter Hochdruck gearbeitet. Wo das steirische Portal des Semmering-Basistunnels entsteht, bleibt vor allem im Gleisbereich kein Stein auf dem anderen. Um die neue Bahnstrecke durch den Semmering-Basistunnel im Bahnhofsbereich Mürzzuschlag zukünftig einbinden zu können, müssen die Gleisanlagen ergänzt, erneuert oder adaptiert werden - und das alles, ohne den Bahnbetrieb zu stören. Schließlich trifft hier ab 2027 die bestehende Semmeringbahn, die im niederösterreichischen Gloggnitz abzweigt, wieder auf die Strecke des neuen Semmering-Basistunnels. Dafür sind Konstruktionen, wie ein sogenanntes Wannenbauwerk oder Entwässerungen notwendig, aber auch der Oberbau muss erneuert werden - also Schotter, Schwellen, Gleise und Weichen - damit die Züge schnell und leise in den Bahnhofsbereich ein- und auch ausfahren können.

Foto: ÖBB/Ebner
Eine Röhre des Tunnels vom Mürzzuschlager Portal ausgehend wird in "offener Bauweise" errichtet, das heißt: Der Tunnel wird im Unterschied zum bergmännischen Tunnelvortrieb von oben gegraben. Dafür muss das Gestein mittels Baggern und Sprengungen gelockert werden. Die Sprengungen werden voraussichtlich ein- bis zweimal täglich und nur an Wochentagen zu den gängigen Arbeitszeiten stattfinden (keine Nacht- und Wochenendarbeiten). Von Mürzzuschlag aus müssen jedoch nur rund 130 Meter Tunnel gegraben werden. Die bergmännischen Arbeiten erfolgen ausschließlich von der Baustelle Grautschenhof aus. Ein "kleinerer Tunnel" wird voraussichtlich im Sommer 2020 wieder für die Bahnkunden freigegeben: Der Personendurchgang in Richtung Heizhausgasse und Park&Ride-Anlage wird umgebaut. Bahnkunden folgen derzeit der Beschilderung, um auf die andere Seite des Bahnhofes zu gelangen. Die Park&Ride-Anlage, die auf 370 Stellplätze erweitert wird, ist bereits ab 2021 für Bahnkunden benutzbar.

Einen weiteren Vorgeschmack auf die architektonische Gestaltung des Bahnhofes gibt ein sogenannter "Musterpark", der vom neuen Infoblick aus zu betrachten ist. Hier wurden ein Bahnsteig mit Bahnsteigdach sowie ein Stiegenabgang detailgetreu vorab gebaut. Der Grund: Betonoberflächen, Geländer, Brüstungen, Handläufe und Pflasterungen werden im Vorfeld vom Gestaltungsbeirat begutachtet, um sicherzustellen, dass sich Formen und Oberflächen gut in das Weltkulturerbe Semmering einfügen. Für den Umbau des denkmalgeschützten Bahnhofs wurde auch ein Musterfenster nach dem Vorbild des Bahnhofes, wie er um 1900 beschaffen war, gebaut. Die Planungen der sichtbaren Bauwerke des Semmering-Basistunnels - so auch das Portal und der Bahnhof Mürzzuschlag - werden seit Beginn von einem sogenannten Gestaltungsbeirat begleitet.

Im Zuge der Umbauarbeiten des Bahnhofes Mürzzuschlag haben Archäologen auch Fundamente des alten, sogenannten "Semmeringer Heizhauses" freigelegt - eines von vier Heizhäusern in Mürzzuschlag, die in den 1860er-Jahren in Betrieb gingen und mit der Elektrifizierung der Strecke abgetragen wurden - die Fundamente waren geblieben. In Heizhäusern wurden die Dampflokomotiven angeheizt und gewartet. An der Stelle des alten Heizhauses entsteht das Fundament für die Gleishalle des zukünftigen Instandhaltungs-Stützpunkts.

Der rund 27 km lange Semmering-Basistunnel zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag bringt mehr Reisequalität für die Fahrgäste und erhöht die Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs deutlich. Nach seiner Fertigstellung reisen Fahrgäste umweltfreundlich und sicher mit der Bahn in weniger als zwei Stunden von Wien nach Graz. Ab diesem Zeitpunkt wird auch der Güterverkehr energieeffizient auf der neuen Strecke abgewickelt. Was bisher auf der Weststrecke mit attraktiven Fahrzeiten und dichten Zugintervallen erlebbar ist, wird bald auch auf der Südstrecke umgesetzt. Durch den Semmering-Basistunnel wird die Bahn nun auch auf der Nord-Süd-Verbindung Österreichs zum Auto und zum LKW konkurrenzfähig. (ÖBB)

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