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 Drei Verkehrsunternehmen sollen im Akkunetz fahren
Angebote im SPNV-Vergabeverfahren ausgewertet

Drei Verkehrsunternehmen sollen im Akkunetz fahren

Überraschender Ausgang im Vergabeverfahren zum Akkunetz: Gleich drei verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen sollen beauftragt werden. Die Osthannoversche Eisenbahnen Aktiengesellschaft (OHE), die RDC AUTOZUG Sylt GmbH und die NBE nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG haben die wirtschaftlichsten Angebote abgegeben und sollen künftig die Akkuzüge in Schleswig-Holstein betreiben. Nach dem Wirtschaftsausschuss hat heute auch der Finanzausschuss des Landtages der Vergabeempfehlung des Nahverkehrsverbundes für Schleswig-Holstein (NAH.SH GmbH) zugestimmt.

Foto: Stadler
Im Mai 2020 hatte die NAH.SH GmbH die Ausschreibung im Auftrag des Landes und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) gestartet. Das Akkunetz umfasst insgesamt 10,4 Millionen Zug-Kilometer und elf Bahnlinien in drei verschiedenen Losen. Im Januar hatten fünf Bieter insgesamt zwölf Angebote für die unterschiedlichen Lose abgegeben. Die NAH.SH GmbH hat die Angebote in den vergangenen Wochen fachlich sowie wirtschaftlich geprüft und bewertet und dem Land die Vergabeempfehlung gegeben.

Die Osthannoversche Eisenbahnen Aktiengesellschaft (OHE) übernimmt damit ab Dezember 2022 den Betrieb im Los Ost. Es beinhaltet die Strecken RE 83/84 Kiel – Lübeck, RB 89 Lübeck – Lüneburg, RB 87 Kiel – Preetz und RB 76 Kiel – Schönberger Strand. Die OHE löst DB Regio als bisherige Betreiberin ab. Die OHE gehört zum NETINERA-Konzern, der im benachbarten Niedersachsen mit den Unternehmen erixx GmbH und metronom Eisenbahngesellschaft mbH bereits ein bedeutender langjähriger SPNV-Betreiber ist. Wegen des Streckenabschnitts zwischen Lauenburg und Lüneburg ist die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) am Verfahren beteiligt. Die RDC AUTOZUG Sylt GmbH übernimmt ab Dezember 2023 den Betrieb im Los Nord und löst die DB Regio dort als bisherige Betreiberin ab. Das Los Nord umfasst die Strecken RE 72 Flensburg – Kiel, RB 73 Eckernförde – Kiel, RE 74 Husum – Kiel, RB 75 Rendsburg – Kiel und RB 64 Husum – Bad St. Peter-Ording.

Im Los Ost-West bleibt die NBE nordbahn Eisenbahngesellschaft mbH & Co. KG beim Fahrplanwechsel im Dezember 2023 die Betreiberin und erbringt ihre heutigen Leistungen damit unverändert weiter. Das Los Ost-West umfasst die Linien RB 63 Büsum – Heide – Neumünster und RB 82 Neumünster – Bad Oldesloe. Die neuen Verträge mit den drei Betreibern sollen bis zum Dezember 2035 laufen. Das Fahrplanangebot entspricht auf den bestehenden Strecken weitgehend dem Status quo, ergänzt durch zusätzliche Früh- und Spätverbindungen. Die Frühverbindungen werden insbesondere die Attraktivität des Nahverkehrs im Berufsverkehr erhöhen. Darüber hinaus sollen die neuen Verkehrsunternehmen auch die zu reaktivierenden Strecken zum Schönberger Strand sowie nach Rendsburg-Seemühlen betreiben. Dies gilt auch für die Taktverdichtung zwischen Kiel und Preetz, die mit der Streckenbeschleunigung Kiel – Lübeck geplant ist.

Die Vergabe fand in einem schwierigen Umfeld statt: Die Verkehrsunternehmen leiden massiv unter den Auswirkungen der Coronakrise, weil ihnen die Fahrgeldeinnahmen wegbrechen. Zudem war die Anzahl der Bieter bei Vergabeverfahren in Schleswig-Holstein zuletzt zurückgegangen, nachdem die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) ihre Leistungen an die DB Regio AG verloren hatte. Auch deutschlandweit beteiligen sich an vergleichbaren Vergabeverfahren durchschnittlich nur etwa drei Bieter. Mit Angeboten von fünf Bietern lag Schleswig-Holstein damit deutlich über dem Schnitt. Zum ersten Mal hatten Land und NAH.SH bei der Ausschreibung eine Loslimitierung eingeführt: Dadurch schlossen sie aus, dass die beiden großen Lose Ost und Nord an ein Verkehrsunternehmen vergeben werden.

Die Fahrzeuge für den Betrieb werden den künftigen Verkehrsunternehmen gestellt. Auch für die Instandhaltung sind sie nicht verantwortlich. Das übernimmt der Fahrzeughersteller Stadler Pankow GmbH mit einem neuen Instandhaltungswerk, das in Rendsburg gebaut wird. Mit der Umstellung der Verkehrsverträge auf das Bruttoprinzip geben die Verkehrsunternehmen außerdem erstmalig die Erlösverantwortung an das Land ab. Die neuen Betreiber sind dabei auch vertraglich verpflichtet, das Personal der bisherigen Betreiber zu den bisherigen Konditionen zu übernehmen. (NAH.SH)

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