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 BEG bestellt BOB-Geschäftsführung zu Krisengepsräch ein
An­hal­ten­de und massive Qua­li­täts­pro­ble­me 06.02.2019 - 13:58

BEG bestellt BOB-Geschäftsführung zu Krisengepsräch ein

Die Probleme bei der Baye­ri­schen Ober­land­bahn (BOB), dem Meridian sowie bei der seit Dezember 2018 neu in Betrieb ge­gan­ge­nen Ostallgäu-Lechfeld-Bahn (Augsburg – Landsberg, München/Augsburg – Füssen), die jeweils von der Transdev GmbH als Mut­ter­ge­sell­schaft betrieben werden, reißen nicht ab. Die Baye­ri­sche Ei­sen­bahn­ge­sell­schaft (BEG) hat die für die genannten Netze zu­stän­di­ge Ge­schäfts­füh­rung aufgrund der an­hal­ten­den und für die Fahrgäste un­trag­ba­ren Qua­li­täts­pro­ble­me zu einem kurz­fris­ti­gen Kri­sen­ge­spräch am 08. Februar 2019 ein­be­stellt.

Trotz re­gel­mä­ßi­ger In­ter­ven­tio­nen durch die BEG, zahl­rei­cher bereits um­ge­setz­ter Maßnahmen und eines um­fas­sen­den Qua­li­täts­mo­ni­to­rings – welches die BEG ab sofort nochmals in­ten­si­vie­ren wird – waren die BOB und der Meridian auch in den ver­gan­ge­nen Monaten immer wieder von Qua­li­täts­pro­ble­men in Form von Zu­g­aus­fäl­len, un­ak­zep­ta­blen Zug­kür­zun­gen, man­geln­den Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen oder einer un­zu­rei­chen­den Dis­po­si­ti­on im Störfall betroffen. Durch den Win­ter­ein­bruch im süd­baye­ri­schen Bereich hatte sich die Lage ins­be­son­de­re bei der BOB nochmals deutlich ver­schärft. Seit Dezember 2018 kommen außerdem er­heb­li­che Start­schwie­rig­kei­ten beim Betrieb des Ostallgäu-Lechfeld-Netzes hinzu. „Die Tatsache, dass es bei einem Ver­kehrs­un­ter­neh­men in gleich mehreren Netzen zu so massiven Problemen ver­schie­dens­ter Ursachen kommt, ist absolut un­ge­wöhn­lich. Zu den Transdev-Netzen BOB, Meridian und Ostallgäu-Lechfeld-Bahn sind bei der BEG seit Fahr­plan­wech­sel im Dezember 2018 die mit Abstand meisten Fahr­gast­be­schwer­den aller baye­ri­schen Ver­kehrs­un­ter­neh­men ein­ge­gan­gen. Wir erwarten nun einen klaren und für die BEG nach­voll­zieh­ba­ren Maß­nah­men­plan zur dau­er­haf­ten Sta­bi­li­sie­rung des Betriebs in allen drei Netzen“, so Thomas Prechtl, Ge­schäfts­füh­rer der BEG.

Besonders im Fokus steht dabei das Ober­land­netz, welches in den ver­gan­ge­nen Wochen von ganz er­heb­li­chen Win­ter­pro­ble­men betroffen war. „Es trifft zwar zu, dass zahl­rei­che Ausfälle und Ein­schrän­kun­gen im Betrieb der BOB seit Jah­res­be­ginn zunächst auf eine man­gel­haf­te Räumung durch die In­fra­struk­tur­be­trei­ber DB Netz und DB Station&Service zu­rück­zu­füh­ren sind. Es hat sich dennoch erneut gezeigt, dass ins­be­son­de­re das Stör­fall­ma­nage­ment der BOB voll­kom­men un­zu­rei­chend ist und die Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen oftmals feh­ler­haft, un­voll­stän­dig und wi­der­sprüch­lich sind“, so Prechtl. Die BEG hatte von der BOB in den ver­gan­ge­nen Jahren immer wieder die Umsetzung von Maßnahmen zur Ver­bes­se­rung der Fahr­zeug­si­tua­ti­on, der Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen sowie der Be­triebs­ab­läu­fe gefordert und die Umsetzung in re­gel­mä­ßi­gen Ge­sprä­chen mit der BOB kon­trol­liert. Die erneute Zu­spit­zung im Januar 2019 hat jedoch gezeigt, dass die bereits um­ge­setz­ten Maßnahmen of­fen­sicht­lich nicht weit­rei­chend genug waren, um auch bei län­ger­fris­ti­gen Groß­stö­run­gen für einen stabilen Betrieb zu sorgen. Vor diesem Hin­ter­grund erwartet die BEG konkrete Lö­sungs­an­sät­ze, die bei zu­künf­ti­gen Groß­stö­run­gen (z. B. Win­ter­ein­brü­che) für einen deutlich sta­bi­le­ren Betrieb sowie ins­be­son­de­re zu­ver­läs­si­ge Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen sorgen.

Beim Meridian stellt die aktuelle Fahr­zeug­si­tua­ti­on, welche zu zahl­rei­chen Zug­kür­zun­gen führt, das derzeit dring­lichs­te Problem dar. Die BEG gibt im Rahmen der Ver­kehrs­durch­füh­rungs­ver­trä­ge konkrete Min­dest­ka­pa­zi­tä­ten vor und ver­ein­bart mit den Ver­kehrs­un­ter­neh­men eine ver­bind­li­che Zug­bil­dung. Aufgrund einer an­dau­ern­den man­geln­den Fahr­zeug­ver­füg­bar­keit kam es in den ver­gan­ge­nen Wochen und Monaten jedoch re­gel­mä­ßig zu teilweise er­heb­li­chen Zug­kür­zun­gen – auch bei nach­fra­ge­kri­ti­schen Zügen in den Haupt­ver­kehrs­zei­ten. „Es kann nicht sein, dass die ge­for­der­ten Ka­pa­zi­tä­ten beim Meridian so un­zu­ver­läs­sig be­reit­ge­stellt werden. Die zahl­rei­chen Be­schwer­den der Fahrgäste hierzu sind absolut be­rech­tigt“, so Prechtl. Zwar hat die BEG auch eine Ge­sprächs­run­de mit dem Fahr­zeug­her­stel­ler Stadler zur Lösung der Fahr­zeug­pro­ble­me beim Meridian ein­be­ru­fen – die BEG erwartet bis zur dau­er­haf­ten Sta­bi­li­sie­rung der Fahr­zeug­si­tua­ti­on jedoch weitere kurz­fris­ti­ge Maßnahmen, etwa den vor­über­ge­hen­den Einsatz zu­sätz­li­cher Er­satz­fahr­zeu­ge.

Zu den Problemen bei der BOB und dem Meridian kommen seit Fahr­plan­wech­sel im Dezember 2018 auch spürbare Qua­li­täts­pro­ble­me bei der neu in Betrieb ge­nom­me­nen Ostallgäu-Lechfeld-Bahn hinzu. Zwar kann es bei der In­be­trieb­nah­me neuer Netze durchaus zu an­fäng­li­chen Start­schwie­rig­kei­ten kommen, er­fah­rungs­ge­mäß sta­bi­li­siert sich der Betrieb jedoch nach einigen Tagen. „Von einer Sta­bi­li­sie­rung kann nach mitt­ler­wei­le knapp zwei Monaten bisher keine Rede sein. Die Pünkt­lich­keits­wer­te der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn liegen weit hinter dem baye­ri­schen Durch­schnitt zurück. Dazu kommen per­so­nal­be­ding­te Ausfälle, An­schluss­ver­lus­te an Kno­ten­bahn­hö­fen wie z. B. in Kaufering oder Ka­pa­zi­täts­eng­päs­se infolge von Zug­kür­zun­gen. Die Ostallgäu-Lechfeld-Bahn kann die Er­war­tun­gen der BEG derzeit bei Weitem nicht erfüllen“, kri­ti­siert Prechtl. Die BEG erwartet daher ins­be­son­de­re kurz­fris­ti­ge Maßnahmen zur Sta­bi­li­sie­rung der Be­triebs­ab­läu­fe, der Ver­bes­se­rung der Per­so­nal­si­tua­ti­on sowie der An­schluss­si­che­rung an Kno­ten­bahn­hö­fen, welche in weiteren Nach­in­be­trieb­nah­me­ge­sprä­chen de­tail­liert nach­ver­folgt werden.

„Das der­zei­ti­ge Bild, welches die drei Transdev-Netze der Öf­fent­lich­keit gegenüber ver­mit­teln, trägt nicht dazu bei, Fahrgäste auf Dauer an den Ver­kehrs­trä­ger Eisenbahn zu binden und ins­be­son­de­re neue Fahrgäste zu gewinnen. Wir erwarten einen Maß­nah­men­ka­ta­log, mit dessen schnellst­mög­li­cher Umsetzung endlich merkliche Ver­bes­se­run­gen für die Fahrgäste erzielt werden sollen“, so Prechtl. Der BEG ist dabei bewusst, dass zahl­rei­che Probleme – ins­be­son­de­re im Rahmen der Win­ter­kri­se – auch durch die In­fra­struk­tur­be­trei­ber DB Netz und DB Station&Service ver­ur­sacht werden. Ein Auf­takt­ge­spräch mit DB Netz auf re­gio­na­ler Lei­tungs­ebe­ne zur Auf­ar­bei­tung der In­fra­struk­tur­pro­ble­me hat bereits am 18. Januar 2019 statt­ge­fun­den. Für den Februar sind weitere Gespräche mit DB Netz zur Lösung der In­fra­struk­tur­the­men ter­mi­niert.

Un­ab­hän­gig von den be­vor­ste­hen­den Kri­sen­ge­sprä­chen erhebt die BEG bereits alle vor­ge­se­he­nen Ver­trags­stra­fen, bei­spiels­wei­se wenn die ver­trag­lich vor­ge­ge­be­nen Pünkt­lich­keits­wer­te nicht erreicht werden oder die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Re­gel­zug­bil­dung nicht ein­ge­hal­ten wird. Aus­ge­fal­le­ne Zu­gleis­tun­gen werden grund­sätz­lich nicht vergütet. Darüber hinaus werden im Rahmen des Qua­li­täts­mess­sys­tems der BEG qua­li­täts­re­le­van­te Kriterien wie z. B. die Sau­ber­keit und Funk­tio­na­li­tät der Fahrzeuge und die Fahr­gast­in­for­ma­ti­on im Zug überprüft. Auch hier werden Ver­trags­stra­fen erhoben, falls die Er­geb­nis­se nicht den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Qua­li­täts­stan­dards ent­spre­chen. Die BEG geht insofern davon aus, dass für die BOB/BRB ein er­heb­li­cher fi­nan­zi­el­ler Anreiz besteht, eine qua­li­ta­tiv gute Ver­kehrs­leis­tung zu erbringen. (BEG)

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