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 Maßnahmenpaket nach Krisengespräch mit BOB
Bayerische Eisenbahngesellschaft 08.02.2019 - 15:11

Maßnahmenpaket nach Krisengespräch mit BOB

Aufgrund der nicht abreißenden Probleme bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), dem Meridian sowie bei der seit Dezember 2018 neu in Betrieb gegangenen Ostallgäu-Lechfeld-Bahn (Augsburg – Landsberg, München/Augsburg – Füssen), hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert, die für die genannten Netze zuständige Geschäftsführung heute zu einem Krisengespräch zur Betriebsqualität einbestellt. Alle Netze werden von der Bayerischen Oberlandbahn GmbH bzw. Bayerischen Regiobahn GmbH betrieben.  Anlass des heutigen Krisengesprächs waren die im Bayerischen Oberland und beim Meridian seit Monaten anhaltenden Qualitätsprobleme in Form von erheblichen Verspätungen und Zugausfällen, unakzeptablen Zugkürzungen, mangelnden Fahrgast­informationen oder einer unzureichenden Disposition im Störfall. Seit Dezember 2018 kamen außerdem erhebliche Startschwierigkeiten beim Betrieb des Ostallgäu-Lechfeld-Netzes hinzu. Die schlechte Betriebsqualität in den drei Netzen hatte dazu geführt, dass sich seit Fahrplanwechsel im Dezember 2018 knapp 50 % aller bei der BEG eingegangenen Fahrgastbeschwerden auf eines der BOB/BRB-Netze bezogen haben – und dies, obwohl die drei Netze nur einen Anteil von 7,5 % der im bayerischen Schienenpersonen­nahverkehr bestellten Zugkilometer ausmachen. Dabei betreibt die BEG bereits eine äußerst engmaschige Überwachung der Betriebslage in den drei BOB/BRB-Netzen.

Neben zahlreichen Gesprächen mit der BOB/BRB-Geschäftsführung, vielen Vor-Ort-Terminen sowie auch der Mitfinanzierung von Qualitätsprojekten (wie z. B. die Beschaffung einer Enteisungsanlage für das Betriebswerk Lenggries, der Einsatz von Infodisponenten zur Verbesserung der Fahrgastinformation im Störfall oder der Einsatz eines Pünktlichkeitsmanagers zur Analyse von Verspätungsursachen) erhebt die BEG auch alle vorgesehenen Vertragsstrafen, wenn die geforderten Qualitätsstandards nicht erreicht werden. Im Ober­land­netz waren die Fahrgäste im Januar 2019 un­trag­ba­ren Zuständen aus­ge­setzt. Im Rahmen der Schnee­fäl­le waren die Stre­cken­ab­schnit­te südlich von Holz­kir­chen tagelang komplett gesperrt oder nur ein­ge­schränkt befahrbar. Für die noch ver­blei­ben­den Ver­kehrs­leis­tun­gen erreichte die BOB im Januar nach vor­läu­fi­gen Daten eine Pünkt­lich­keit von unter 70 %. Schon im vierten Quartal 2018 lag die Mo­nats­pünkt­lich­keit der BOB jeweils deutlich unter 90 % (Oktober: 84,7 %; November: 88,6 %; Dezember: 86,4 %). Die BEG hatte von der BOB immer wieder die Umsetzung von Maßnahmen zur Ver­bes­se­rung der Fahr­zeug­si­tua­ti­on, der Fahr­gast­in­for­ma­ti­on sowie der Be­triebs­ab­läu­fe gefordert und die Umsetzung in re­gel­mä­ßi­gen Ge­sprä­chen mit der BOB kon­trol­liert – offenbar waren die Maßnahmen der BOB jedoch gerade bei Groß­stö­run­gen nicht weit­rei­chend genug.

Wesent­li­che Maßnahmen:
  • Die BOB erstellt gemeinsam mit DB Netz und DB Station&Service ein Konzept zur Wintervorbereitung sowie zum Umgang mit unterschiedlichen Wintersituationen und erstellt entsprechende Notfallkonzepte.
  • Die BOB erhöht den Personalbestand in der Betriebsleitzentrale zur Verbesserung der Disposition.
  • Zur Verbesserung der Fahrgastinformation wurde eine zweiteilige Strategie vereinbart. Die BOB wird einerseits kurzfristige Maßnahmen zur Herstellung der Funktionsfähigkeit ihrer eigenen Systeme vornehmen. Andererseits soll eine übergreifende und gesamthafte Analyse der Fahrgastinformationssysteme durch einen externen Gutachter durchgeführt werden. Die BEG wird die Analyse fachlich und finanziell unterstützen.
  • Die BOB hat die Ausarbeitung einer Entschädigungsregelung für Zeitkarteninhaber infolge der zehntägigen Wintersperrungen zugesagt.
  • Zusätzlich hat die BEG eine grundlegende Überarbeitung des Störfall­handbuchs für das Netz „Bayerisches Oberland“ – gegebenenfalls mit externer Unterstützung – gefordert, welches als Grundlage für die anderen BOB/BRB-Netze dienen soll. Dadurch soll sichergestellt werden, dass bei betrieblichen Störfällen ein geregelter und standardisierter Prozess zur Betriebsabwicklung inklusive Schienenersatzverkehr, Reisendenlenkung und Fahrgastinformation greift. Die BEG wird dieses Projekt ebenfalls finanziell und fachlich unterstützen. Darüber hinaus soll ein Schulungskonzept für die Mitarbeiter der Betriebsleitzentrale erstellt und der BEG vorgelegt werden. Dieses soll auch „Trockenübungen“ für das Erlernen eines routinemäßigen Umgangs mit Stör­fallsituationen beinhalten.
Meridian

Nicht zufriedenstellend waren aus BEG-Sicht vor dem Hintergrund der zahlreichen Fahrzeugschäden und -störungen die Aussagen der BOB zur Fahrzeug- und Werkstattsituation. Die BEG hat daher eine Nachlieferung konkreter Maßnahmen bis kommenden Montag gefordert. Das aus BEG-Sicht dring­lichs­te Problem beim Meridian stellt die aktuelle Fahr­zeug­si­tua­ti­on dar, welche zu zahl­rei­chen Zug­kür­zun­gen führt. Ins­be­son­de­re seit dem vierten Quartal 2018 hatten sich die Zug­kür­zun­gen von einem ohnehin schon hohen Niveau nochmals drastisch ver­schärft. So wurden bei­spiels­wei­se im November 2018 über 31.000 Zug­ki­lo­me­ter mit ver­kürz­ten Zügen erbracht. „Die von der BOB er­grif­fe­nen Maßnahmen wie z. B. der Einsatz einer spe­zi­el­len Diagnose-Software zur Re­du­zie­rung der Fahr­zeug­stö­run­gen haben bisher offenbar überhaupt keinen Effekt erzielt. Statt­des­sen werden die Fahrgäste auch in den Haupt­ver­kehrs­zei­ten weiterhin mit ver­kürz­ten Zügen oder fahr­zeug­be­ding­ten Ausfällen kon­fron­tiert“, so Prechtl. Die BEG hatte daher die Be­schaf­fung von Er­satz­fahr­zeu­gen zur Ent­las­tung der Fahr­zeug­si­tua­ti­on gefordert.

We­sent­li­che Maßnahmen:
  • Die BOB führt mit dem Fahrzeughersteller eine intensive Fehleranalyse durch, um die Ursachen teilweise noch ungeklärter Fahrzeugstörungen zu identifizieren.
  • Die BOB prüft die kurzfristige Beschaffung zusätzlicher Fahrzeuge, um den Fahrzeugbestand bis zur dauerhaften Stabilisierung der Fahrzeugsituation vorübergehend zu erhöhen. Die BEG hat die BOB in diesem Zusammenhang nochmals mit Nachdruck aufgefordert, die Suche nach Ersatzfahrzeugen schnellstmöglich auszuweiten und auch einen vorübergehenden Einsatz lokbespannter Wagenzüge bei einzelnen Leistungen in Betracht zu ziehen.
  • Es wurde ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Behebung langwieriger Flottenprobleme bei den Bestandsfahrzeugen sowie zur Abarbeitung von Winterschäden vorgestellt.
  • Die Schadbearbeitung soll deutlich beschleunigt und die Standzeiten der Fahrzeuge erheblich reduziert werden.
Zusätzlich hat die BEG ein Gespräch mit dem Fahrzeughersteller Stadler Rail AG kurzfristig einberufen, um die Behebung der kritischen Fahrzeugprobleme zu beschleunigen.

Ostallgäu-Lechfeld-Bahn

Die BEG hatte die In­be­trieb­nah­me des Ostallgäu-Lechfeld-Netzes im Vorfeld durch eng­ma­schi­ge In­be­trieb­nah­me­ge­sprä­che überwacht. Dennoch liegt die Ostallgäu-Lechfeld-Bahn seit Be­triebs­start im Dezember 2018 weit hinter den Er­war­tun­gen zurück. So erreichte diese im Dezember lediglich einen Pünkt­lich­keits­wert von 80,4 %; auch für den Januar 2019 war nach vor­läu­fi­gen Werten mit einer Pünkt­lich­keit von rund 82 % kein si­gni­fi­kan­ter Auf­wärts­trend erkennbar. Zur weit un­ter­durch­schnitt­li­chen Pünkt­lich­keit kommen weitere Probleme wie bei­spiels­wei­se ver­meid­ba­re An­schluss­ver­lus­te am Bahnhof Kaufering oder per­so­nal­be­ding­te Ausfälle der Takt­ver­stär­ker zwischen Augsburg und Bobingen sowie der Züge auf dem Abschnitt Kaufering – Landsberg seit dem 01.02.2019 hinzu. „Im Gegensatz zu anderen In­be­trieb­nah­men, die entweder rei­bungs­los verlaufen oder bei denen sich der Betrieb nach wenigen Tagen sta­bi­li­siert, bekommt die zu­stän­di­ge BRB den Betrieb bei der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn bisher nicht in den Griff“, so Prechtl.

We­sent­li­che Maßnahmen:
  • Die Betriebsabläufe werden durch kurzfristige Umlaufänderungen ab dem 11.02.2019 verbessert (u. a. Verringerung verspätungsanfälliger Rangier­vorgänge im Gesamtnetz sowie teilweise verlängerte Wendezeiten).
  • Weitere Verbesserungen der Betriebsabläufe sind durch die Umsetzung infrastruktureller Maßnahmen zu erwarten (z. B. zusätzliche Signaltechnik auf neuen Bahnsteigen in Augsburg ab März 2019 sowie eine Blockverdichtung zwischen Augsburg und Inningen im Juni 2019).
  • Die Anschlusssituation in Kaufering soll durch einen nochmals intensivierten Austausch mit der Transportleitung von DB Regio sowie eine neue Bahnhofsfahrordnung in Kaufering ab dem 11.02.2019 verbessert werden.
  • Es wurden umfangreiche Maßnahmen zur Behebung von Fahrzeugstörungen und Komfortmängeln vereinbart (u. a. kurzfristige Überprüfung von Heizungen, Trittstufen, Kupplungen und Zugzielanzeigen). Noch ungeklärt sind die Ursachen sporadischer Kuppelstörungen bei den Fahrzeugen. Die BRB führt derzeit eine intensive Analyse mit dem Fahrzeughersteller durch.
  • Der Personalbestand bei den Triebfahrzeugführern wird sich in den kommenden Wochen sukzessive erhöhen. Spätestens ab März soll sich die Personalsituation deutlich entspannen.
Die BEG wird die Umsetzung der Maßnahmen in allen drei Netzen intensiv begleiten. So werden alle ver­ein­bar­ten Maßnahmen in einer um­fang­rei­chen Maß­nah­men­lis­te do­ku­men­tiert und mit Ziel­ter­mi­nen hin­ter­legt. Die BEG wird sich auf Ge­schäfts­füh­rungs- und Ab­tei­lungs­lei­ter­ebe­ne von der BOB/BRB-Ge­schäfts­füh­rung im Rahmen wö­chent­li­cher Gespräche über den je­wei­li­gen Um­set­zungs­stand un­ter­rich­ten lassen und bei Bedarf die Aufnahme zu­sätz­li­cher Maßnahmen in die Maß­nah­men­lis­te fordern. Des Weiteren werden auf In­itia­ti­ve der BEG kurz­fris­tig weitere Gespräche zu einzelnen The­men­be­rei­chen auf Fachebene statt­fin­den. Auch mit dem In­fra­struk­tur­be­trei­ber DB Netz AG wird es weitere Gespräche auf re­gio­na­ler Lei­tungs­ebe­ne zur Auf­ar­bei­tung der Win­ter­kri­se sowie der all­ge­mei­nen In­fra­struk­tur­stö­run­gen geben. (BEG)

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