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 ÖBB bauen erstes eigenes Pumpspeicherkraftwerk
Unterwasserstollen für idealen Wasserdruck 07.11.2018 - 11:25

ÖBB bauen erstes eigenes Pumpspeicherkraftwerk

Nach mehr als zehn Jahren Planungs- und Genehmigungsphase ist es nun endlich soweit: Die ÖBB erteilen grünes Licht für den Neubau des Pumpspeicherkraftwerks Tauernmoos in der Kraftwerksgruppe Stubachtal. Im Gegensatz zu herkömmlichen Speicherkraftwerken erlauben es Pumpspeicherkraftwerke, neben der Produktion von umweltfreundlichem Strom aus Wasserkraft, auch große Mengen an Energie kostengünstig zu speichern und somit Leistungsspitzen im Bahnstromnetz optimiert abzudecken. So kann bei geringer Nachfrage überschüssiger Strom genutzt werden, um Wasser in das höher gelegene Speicherbecken zu pumpen und anschließend, bei erhöhter Nachfrage, wieder Bahnstrom zu erzeugen

Im Stubachtal entsteht das erste Pumpspeicherkraftwerk der ÖBB. Bild: ÖBB/Rötenkogel
Bereits in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurden die beiden Speicherseen Tauernmoos und Weißsee im hinteren Stubachtal (Gemeinde Uttendorf) in den Hohen Tauern errichtet. Der Tauernmoossee wird seither mit dem Kraftwerk Enzingerboden zur Stromgewinnung (Leistung 80 MW) genutzt. Der um 220 Meter höher gelegene Weißsee dient bis heute nur als Vorspeicher und wird damit energetisch nicht genutzt. Durch das neue Pumpspeicherkraftwerk mit zwei 85-MW-Turbinen kann nun auch dieser Höhenunterschied zwischen den beiden Speicherseen zur Stromgewinnung für den Betrieb von Zügen verwendet werden. Die unterirdische Kaverne des geplanten Kraftwerks Tauernmoos wird in eine Maschinenkaverne und eine Trafokaverne unterteilt. Die Höhe der Kaverne entspricht der eines zwölfstöckigen Wohnhauses. Die verschiedenen Ebenen sind durch einen Lift und ein Stiegenhaus erschlossen. Ein Hallenkran ermöglicht das Umsetzen von schweren Teilen der Anlage während Bau und Betrieb. Auch ein Leitstand, Werkstätten und ein Aufenthaltsraum sind in der Kaverne untergebracht.

Der geplante Unterwasserstollen zwischen dem Kavernenkraftwerk Tauernmoos und dem Tauernmoossee ist rund 350 Meter lang. Er überwindet einen Höhenunterschied von 57 Meter, das Auslaufbauwerk befindet sich über der Turbinenebene. Der Unterwasserstollen ist permanent mit dem Wasserdruck des Tauernmoossees beaufschlagt. Dadurch ist sichergestellt, dass auch während der Betriebsart "Pumpen" kein unzulässiger Unterdruck die Funktion der Anlage beeinträchtigt. Die bestehenden Kraftwerksanlagen und die zugehörigen Oberwasseranlagen sind derzeit nur durch Seilbahnen, teilweise durch Straßen und mancherorts auch nur über Fußwege erschlossen. Häufig behindern Wetter- und Schneelage die für die Instandhaltung erforderliche Zufahrt zu den Anlagen. Der geplante Erschließungstunnel Stubachtal verbindet in Zukunft wettersicher und leistungsfähig die bereits bestehenden Anlagen sowie das neu zu errichtende Kraftwerk Tauernmoos mit dem öffentlichen Straßennetz am Enzingerboden. Auch die Energieableitung des neuen Kavernenkraftwerks wird über den Zufahrtstunnel erfolgen. Der Querschnitt des Tunnels ermöglicht die Anlieferung von Baustoffen, Bauteilen und Ersatzteilen per LKW und Sondertransport (ÖBB)

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