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25.000 Brücken im Netz der DB
Deutschland, deine Bahnbrücken


Die Müngstener Brücke Foto: DB/AG-Max Lautenschläger
Groß, klein, jung, alt, aus Beton, Ziegel oder Stahl, einige Meter oder viele Kilometer lang: Die DB unterhält in Deutschland mehr als 25.000 Eisenbahnbrücken unterschiedlichster Couleur. Über 2.100 sind es allein in Hessen – darunter die zweitälteste Bahnbrücke der Bundesrepublik, die noch regulär für den Zugverkehr genutzt wird, in Nied. Paul Camille von Denis errichtete das 40 Meter lange und neun Meter breite Bauwerk auf der Taunuseisenbahn. 1839 ging die Bogenbrücke über die Nidda in Betrieb. Seitdem hat sie ihren steinernen Rücken für unzählige Zugfahrten hingehalten.

Bis zu 380 Züge rollen heute in beiden Richtungen mit maximal Tempo 160 über das historische Bauwerk. Darunter sind die S-Bahnen der Linien 1 und 2, der Güter- sowie Nah- und Fernverkehr in Richtung Wiesbaden. Damit das auch künftig so bleibt, wurde die Eisenbahnbrücke einer kompletten Frischekur unterzogen – streng nach Vorgaben des Denkmalschutzes versteht sich. Bundesweit gibt es aber eine Reihe weiterer baulicher „Schätze“, die verschiedenste Superlative bedienen.

Die Höchste
Die Müngstener Brücke bei Solingen ist durch und durch aus Stahl und mit 107 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Unter der 465 Meter langen Konstruktion aus 5.000 Tonnen Stahlprofilen hätte sogar die New Yorker Freiheitsstatue noch ausreichend Luft nach oben.

Die Verkehrsreichste
Die Hohenzollernbrücke in Köln ist mit 1.220 Zügen am Tag die meist-befahrene Eisenbahnbrücke Deutschlands. Mehr als 413 Meter lang, etwa 40 Meter breit, sechs Gleise und so schwer wie einhundert Blauwale: das sind die Maße des faszinierenden Bauwerks aus Beton und Stahl, das am Standort der ehemaligen Dombrücke über den Rhein führt.

Die Längste
8.614 Meter – das ist ziemlich genau die Höhe des K2, des zweithöchsten Bergs der Erde. Mit diesen beeindruckenden Maßen wartet Deutschlands längste Eisenbahnbrücke auf. Zu finden ist die Saale-Elster-Talbrücke, die seit 2015 ihren Dienst tut, auf der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle.

Die Preisgekrönte
Die Gänsebachtalbrücke auf der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle überzeugte 2014 die Jury des „Deutschen Brückenbaupreises“ von ihrer Leichtigkeit und Ästhetik, mit der sie sich mit ihrer beachtlichen Länge von 1.001 Metern harmonisch in ihre Umgebung einfügt.

Die Internationale
Die Rheinbrücke zwischen Kehl und Strasbourg schreibt bereits über 150 Jahre europäische Geschichte. 238 Meter lang ist die Eisenbahnüberführung aus Stahlfachwerk, die sich zwischen Deutschland und Frankreich über den Rhein spannt. Seit 2010 ist das Bauwerk komplett erneuert und sorgt so weiter für grenzübergreifende Begegnungen.

Die Steinreichste
Mehr als 26 Millionen Ziegelsteine, 98 Bögen und Architektur vom Feinsten: Die Göltzschtalbrücke auf der Strecke Leipzig–Hof ist nicht nur eine wahre Augenweide, sondern hält auch den Rekord als größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Fast auf den Tag genau vor 171 Jahren startete der Bau des Bauwerks, das zu Recht als Wahrzeichen des Vogtlands gilt.

Die mit der großen Klappe
In Oldenburg geht im wahrsten Sinne des Wortes die Klappe auf: Die Eisenbahnbrücke über die Hunte öffnet hier ihre zwei unabhängig voneinander bewegbaren Brückenteile für den Schiffsverkehr. Waren zum Betriebsstart im Jahr 1954 noch Zahnräder und Kurbelscheiben gefragt, steuert heute ein hydraulisches System die beiden Klappen.

Die Unsichtbare
Im Untergrund, 180 Meter lang: Die Brücke, die zwischen Varel und Sande entsteht, wird niemand zu Gesicht bekommen. Dennoch fristet sie kein Schattendasein, sondern spielt im weichen Boden der Strecke Oldenburg–Wilhelmshaven eine tragende Rolle. 100 Pfähle plus Stahlbetondeckel braucht es, damit Schotter und Gleise für künftige Zugfahrten zum Jade-Weser-Port stabil liegen.

Die Älteste 1838 werden Ferdinand Graf von Zeppelin sowie Georges Bizet geboren. Und: auf der Strecke Leipzig–Dresden geht Deutschlands älteste noch regulär genutzte Eisenbahnbrücke bei Wurzen in Betrieb.

Die Neuesten
Auf der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt sind seit Dezember 2017 29 nigelnagelneue Brücken mit einer Gesamtlänge von rund zwölf Kilometern im Einsatz. Seit Inbetriebnahme des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8 (Nürnberg–Berlin) sausen hier die schnellen Züge mit bis zu 300 Stundenkilometern darüber.

Viele der Brücken sind allerdings inzwischen in die Jahre gekommen, und teilweise über 100 Jahre alt. Damit die Brücken gewohnt verlässlich ihren Dienst tun können, ist eine ständige Instandhaltung erforderlich. Bis zum Jahr 2019 hat die Deutsche Bahn 875 Brücken fit für die Zukunft gemacht werden. Bundesweit kümmern sich tausende Instandhalter, Planer und Ingenieure darum, die Brücken in Schuss zu halten,  Gemäß der so genannten Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung II (LuFV II) zwischen Bahn und Bund wurden zwischen 2015 und 2019 rund 28 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur investiert. Hinzu kommen der Bau und die Sanierung von Straßen- oder Fußgängerüberführungen, der Ersatz von Durchlässen beziehungsweise Bahnübergängen durch neue Brücken sowie Sanierungsarbeiten an Brücken.