Titel

Wenn Auto und Zug aufeinander treffen
Schiene kreuzt Straße


Eine Talent 2 - Garnitur (ET 442) als RE befährt einen Bahnübergang [1]
Trotz insgesamt rückläufiger Zahlen ereigneten sich an Bahnübergängen immer wieder eine Reihe schwerer Unfälle. Das Tragische: Über 90 Prozent dieser Kollisionen gehen auf das Fehlverhalten von Autofahrern oder Fußgängern zurück. Zudem ist vielen Verkehrsteilnehmern die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen nicht richtig bekannt. Eine im Auftrag der DB durchgeführte infas-Studie hat 2.500 Bundesbürger um ihre Einschätzung zur Sicherheit an Bahnübergängen gebeten. Die Ergebnisse liefern ein zum Teil erschreckendes Bild. So stimmte fast ein Viertel der Befragten der Aussage zu, dass ein rotes Blinken am Bahnübergang dem Gelb der Ampel entspricht und ein Anhalten demnach nicht erforderlich sei. Um über das richtige Verhalten zu informieren und für Gefahren am Bahnübergang zu sensibilisieren, betreibt die Bahn mit dem Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) sowie den gesetzlichen Unfallversicherungen UVB und VBG seit mehr als zehn

Leichtsinn und Unachtsamkeit sind die häufigsten Ursachen schwerer Unfälle an Bahnübergängen [2]
Jahren verschiedene Aufklärungsprojekte. Neu hinzugekommen ist 2015 die Bundespolizei - Kampagne „sicher drüber“ , die auch Gefahrenschulungen vor Ort umfasst.

Bahnübergänge sind in der Regel mit dem Andreaskreuz gekennzeichnet, das dem Schienenverkehr Vorrang vor dem Straßenverkehr einräumt (§ 41 StVO, Zeichen 201). Der Grund hierfür ist verständlich, denn Züge haben wegen ihrer roßen Masse und der hohen Geschwindigkeiten einen sehr viel längeren Bremsweg als ein Pkw. Bis zu 1.000 Meter benötigt etwa ein einhundert Stundenkilometer schneller Reisezug bis zum Anhalten. Dazu kommt, dass Schienenfahrzeuge spurgebunden sind, sie können nicht ausweichen. Außerdem werden Züge immer leiser und deshalb auch später wahrgenommen. Aus diesem Grund ist die zuverlässige Sicherung niveaugleicher Schiene/Straße-Kreuzungen unerlässlich. Art und Aufwand der Sicherung eines Bahnübergangs sind in § 11 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) festgelegt. Man orientiert sich dabei an der Art der Bahnstrecke (Hauptbahn/Nebenbahn), der Geschwindigkeit des Zuges sowie der Verkehrsstärke auf der kreuzenden Straße. An Hauptbahnen ist eine technische Sicherung grundsätzlich für alle Übergänge, ausgenommen Fuß- und Privatwege, vorgesehen. Bahnübergänge ohne technische Sicherung kommen fast ausschließlich

Ablauf der Sicherung an einem automatischen Bahnübergang [3]
an verkehrsarmen Strecken vor. Verkehrsteilnehmer müssen  sich hier vor  Überqueren des Überganges Übersicht auf die Bahnstrecke verschaffen und auch auf hörbare Signale der Eisenbahnfahrzeuge achten.

Von den 18.117 Bahnübergängen der DB AG sind mehr als die Hälfte technisch gesichert, circa 20 Prozent mit Schranken, rund 70 Prozent mit Halbschranken und 10 Prozent mit Blinklicht- oder Lichtzeichenanlagen . Alle technisch nicht gesicherten Bahnübergänge werden routinemäßig dreimal pro Jahr genau in Augenschein genommen, die technisch gesicherten unterliegen zweimal jährlich einer Inspektion. Da Bahnübergänge Straße und Schiene gleichermaßen berühren, sind sie Gemeinschaftsaufgabe. Sollen etwa Änderungen an bestehenden Anlagen vorgenommen werden, müssen Bahn, Bund und Straßenbaulastträger, also der Eigentümer der Straße, dies vereinbaren. Diese Gemeinschaftsaufgabe wird auch bei der Kostenverteilung deutlich. So schreibt der Gesetzgeber im § 3 des   Eisenbahnkreuzungsgesetzes (EKrG) vor, dass die Kreuzungspartner Kosten für Maßnahmen, die aus Gründen der Sicherheit oder Abwicklung des Verkehrs erforderlich sind, zu je einem Drittel tragen müssen.

Bildnachweis:
[1] Deutsche Bahn AG / Martin Busbach
[2] Deutscher Verkehrssicherheitsrat
[3] Infografik Deutsche Bahn