Titel

Betriebsleitzentralen überwachen den Zugverkehr
Im Dienst der Pünktlichkeit


Sieben Netzleitzentralen überwachen Tag und Nacht den Betrieb. [1]
Eine hohe Zugdichte, anspruchsvolle Vertaktungen im Personenverkehr sowie höhere und unterschiedliche Fahrgeschwindigkeiten auf den Strecken machen die Überwachung des Bahnbetriebs zu einer hoch komplexen Aufgabe. In den Netzleitzentralen wird der Verkehr in Deutschland, Europas größtem Schienennetz, mit modernster DV-Technik koordiniert. Von den Reisenden unbemerkt ziehen über 30 Mitarbeiter rund um die Uhr die Fäden für einen bundesweiten reibungslosen Betriebsablauf auf dem rund 33.400 Kilometer langen Streckennetz der DB AG. Alle ICE-, IC- und EC-Züge sowie wichtige Güterzüge und Sonderverkehre werden hier disponiert und überwacht. Zusätzlich werden die sieben regionalen Betriebszentralen koordiniert und der Kontakt zu den ausländischen Bahnen gehalten. Insgesamt sind durchschnittlich 40.000 Züge pro Tag auf dem Netz der Bahn unterwegs. Die Schwerpunktaufgaben in der Netzleitzentrale sind neben der Koordination des Gesamtbetriebs auch die ständige Überprüfung der Verfügbarkeit der Infrastruktur sowie die  Abstimmung mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Während früher über komplizierte, zeitaufwändige Meldewege die Daten mit Bleistift und Lineal auf große Papierpläne gezeichnet werden mussten,

Ein Mitarbeiter der Betriebszentrale in Duisburg an seinem Arbeitsplatz [2]
kann heute der gesamte aktuelle Zugbetrieb direkt am Bildschirm verfolgt werden. Auf den High-Tech-Arbeitsplätzen werden täglich mehrere hundert Fernreise- und überregionale Güterzüge vom Start bis zum Ziel auf ihrem gesamten Laufweg überwacht. Die dafür notwendigen Daten – pro Tag mehr als 150.000 Datensätze – werden automatisch über Zugnummermeldeanlagen auf den Stellwerken bei der Durchfahrt der Züge erhoben und online über spezielle Datenverbindungen nach Frankfurt übermittelt. Leit- und Dispositionssystem - Netz (LeiDis-N) heißt das DV-System, mit dessen Hilfe die Disponenten frühzeitig über Anschlussverbindungen, Ersatzzüge, Sonderhalte und Umleitungen entscheiden.  Bei Verspätungen werden die netzweiten Auswirkungen sofort vom Rechner simuliert, hochgerechnet und in Echtzeit angezeigt. Für den Laien erscheint die Ansammlung unzähliger farbiger, sich kreuzender und überschneidender Linien auf den Monitoren verwirrend. Den Betriebsleitern sagen sie aber mehr als tausend Worte. Sie bieten so zum Beispiel bei Verspätungen eine wichtige Hilfe für die Entscheidung, ob Anschlüsse gewährleistet werden können oder nicht. So kann bei Störungen sofort reagiert werden. Schließlich ist es auch im Interesse der Bahn, bei ihren Kunden bei Unregelmäßigkeiten eine zufriedenstellende Lösung anzubieten.

In den Betriebszentralen in Berlin, Duisburg, Frankfurt am Main, Hannover, Karlsruhe, Leipzig und München liegt die Verantwortung für die Disposition und Steuerung des regionalen Betriebes. Hier werden die Verkehre auf den zugeordneten Strecken disponiert und jeder Zug im jeweiligen

Keine abstrakte Kunst, sondern der Blick auf die Monitore in der Leitzentrale in Frankfurt/Main [3]
Zuständigkeitsbereich überwacht. Darüber hinaus ist aus den Betriebszentralen heraus durch Einbindung moderner Elektronischer Stellwerke die Steuerung des Betriebes, also das Bedienen von Weichen und Signalen, gewährleistet. In Frankfurt am Main werden täglich auch Störungen statistisch ausgewertet. Mit diesen Daten können die Ursachen für Störungen elektronisch ermittelt und Hilfestellungen für deren künftige Vermeidung erarbeitet werden. Erfahrungsgemäß gehen Verspätungen etwa zu je einem Drittel auf das Konto der Betreiber, die Infrastruktur und äußere Einwirkungen. Das Spektrum reicht von mutwilligen Eingriffen in den Bahnverkehr, Personen im Gleis und Witterungseinflüssen, über technische Störungen an der Infrastruktur, an Lokomotiven und Wagen bis hin zu Bauarbeiten. Störungen auf einzelnen Strecken können sich in dem engmaschigen, vertakteten System der Bahn unmittelbar und wie ein Dominoeffekt auf das gesamte Netz übertragen. Das Ziel ist es, trotz dieser Störeinflüsse die Pünktlichkeit hoch zu halten.

Bildnachweis
[1] und [3]: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe
[2] Deutsche Bahn AG / Jürgen Brefort