Titel

Ein scheinbar kleiner, aber bedeutender Unterschied
Ein Zugführer ist kein Lokführer


Der Lokführer ist für das Fahren eines Zuges zuständig. Sein Beruf verlangt gewisse Qualifikationen [1]
Egal welche Medien man bedient, man hört und liest im Zusammenhang mit der Bedienung von Eisenbahnfahrzeugen immer wieder vom Lokführer und Zugführer. Deshalb erscheint es wahrscheinlich, dass es sich dabei auch um ein und den selben Beruf handelt. Für den normalen Fahrgast und Eisenbahnlaien ist die Person, die sich im Führerraum eines Triebfahrzeuges befindet und den Zug fährt, schlicht und einfach der Zugführer. Von der Logik her ist diese Annahme stimmig, betrieblich gesehen handelt es sich dabei jedoch um zwei völlig verschiedene Berufe, deren Tätigkeiten durch klare Befugnisse abgegrenzt sind. Der Lokführer ist derjenige, der im Besitz eines Eisenbahnführerscheins ist und ein Triebfahrzeug führen darf. Der Zugführer ist vereinfacht gesagt der Chef des Zuges und ihm obliegt die Aufsicht. Er nimmt betriebliche Aufgaben wahr, darf aber keinen Zug fahren. Dagegen kann ein Lokführer auch gleichzeitig Zugführer sein. Verwirrend? Werfen wir einen genauen Blick auf die Unterschiede.

Genau wie ein Autofahrer, der für die Benutzung seines Fahrzeuges einen Führerschein benötigt, ist dieser auch für Lokführer, korrekter Triebfahrzeugführer, vorgeschrieben. Die Triebfahrzeugführerscheinverordnung regelt wer einen Zug fahren darf. § 2 dieser Verordnung regelt, dass ein Triebfahrzeugführer eine natürliche Person ist, die die Voraussetzung erfüllt, unmittelbar und mittelbar ein Triebfahrzeug eigenständig, verantwortlich und sicher zu führen. Die dafür notwendigen körperlichen Eignungen und Qualifikationen sind zudem in § 48 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung festgeschrieben.

Die Fertigmeldung der Zugschaffner erfolgt mittels der orange- farbenen Meldescheibe [2]
Ein Triebfahrzeugführer muss also wie ein Autofahrer eine Fahrprüfung ablegen und zudem seine Tauglichkeit nachweisen. Der Triebfahrzeugführerschein wird von einer amtlichen Stelle, in Deutschland ist das in der Regel das Eisenbahn-Bundesamt, ausgestellt. Der Triebfahrzeugführer muss zudem über Zusatzbescheinigungen Berechtigungen nachweisen, welche Fahrzeuge er führen darf und welche Strecken, Zugbeeinflussungs- und Signalsysteme ihm bekannt sind.  An dieser Stelle erklärt sich nun bereits der Unterschied zu einem Zugführer. Dieser verfügt nicht über die genannten Prüfungen und Zulassungen und darf aus diesem Grund keinen Zug fahren. Doch was macht dann der Zugführer? Der Zugführer ist ein Mitarbeiter des Zugpersonals, er ist also primär für die Fahrgäste zuständig. Heute werden sie vor allem im IC- und ICE-Verkehr als Zugchef bezeichnet. Sind mehrere Zugbegleiter, die sog. Zugschaffner, in einem Zug, so ist der Zugführer deren Vorgesetzter. Zu seinen Aufgaben gehört, für die Sicherheit des Zuges und seiner Fahrgäste zu sorgen. Er übernimmt die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf einer Zugfahrt und kontrolliert auch die Fahrscheine der Reisenden. Er ist auch derjenige der die Lautsprecheransagen im Zug macht und im Fall der Fälle Kontakt zu den Betriebsleitzentralen aufnehmen kann. Zu erkennen ist der Zugführer/Zugchef an einer roten Armbinde.


Der Abfahrauftrag kann entweder als Lichtsignal, oder wie hier mit dem Befehlsstab gegeben werden. Die rote Armbinde kennzeichnet den Zugführer. [3]
Hält der Zug in einem Bahnhof, so hat der Zugführer die Abfahrbereitschaft des Zuges herzustellen. Dazu gibt er, sofern kein Aufsichtspersonal am Bahnsteig vorhanden ist, einen kurzen Achtungspfiff und leitet dann den Schließvorgang der Türen ein. Dabei muss er anschließend darauf achten, dass sich keine Personen mehr im Bereich des Zuges aufhalten. Da in Zügen des Fernverkehrs in der Regel mehrere Zugbegleiter mitfahren, unterstützen diese ihren Zugchef bei der Abfertigung. Sie haben keine Befugnis den Abfahrauftrag zu erteilen, überwachen aber einen bestimmten Bereich des Zuges und melden dem Zugführer die Abfahrbereitschaft mit der orangefarbenen Meldescheibe (Fertigmeldung). Hat der Zugführer die Abfahrbereitschaft festgestellt, erteilt er dem Triebfahrzeugführer durch ein zusätzliches Lichtsignal den Abfahrauftrag. Dies geschieht in der Regel durch einen schlüsselabhängigen Taster an einer Bedienkonsole auf dem Bahnsteig.  An Bahnhöfen ohne dieses Signal wird der Abfahrauftrag durch das Heben des Befehlsstabes oder einer grünen Lampe gegeben. Bei ICE-Zügen kann dieser auch per Bordfunk erteilt werden. An dieser Stelle kommt nun auch eine Besonderheit im Betriebsablauf ins Spiel: Ist kein Zugführer im Zug, sondern nur einer oder mehrere Zugschaffner ohne Zugführerbefugnis, so übernimmt der Lokführer gleichzeitig die Aufgabe des Zugführers. Haben die Zugschaffner den Zug fertiggemeldet, hat der Lokführer selbst die Abfahrbereitschaft herzustellen und die Aufsicht über dieses Verfahren liegt bei ihm selbst. Fährt kein Zugpersonal mit, wie auch im Güterverkehr, übernimmt der Triebfahrzeugführer die gesamte Abfertigung allein. In diesen beiden Fällen, und nur in diesen, ist  der Lokführer auch gleichzeitig Zugführer.

Bildnachweis:
[1] Deutsche Bahn AG / Jet-Foto Kranert
[2] DB AG
[3] indeedous/Wikimedia Commons