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Was tun bei Eis und Schnee?
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Ein Zug im Schnee wirkt idyllisch. Doch die weiße Pracht kann die Eisenbahn auch an ihre Grenzen bringen. Foto: DB/AG-Uwe Miethe
Damit ein komplexes System wie der Eisenbahnbetrieb auch bei extremen Wetterlagen funktioniert und Störungen im Betrieb schnell beseitigt werden können, ist eine umfassende Vorbereitung notwendig. 33.200 Kilometer Gleis, 5.400 Bahnhöfe und täglich 40.000 Züge, müssen überwacht und bei  Bedarf geräumt werden, damit Züge fahren und Reisenden an ihre Ziele gelangen können. Zehntausende DB-Mitarbeiter sowie beauftragte Firmen stehen während der Wintermonate zum Einsatz bereit, um Bahnsteige, Weichen und Bahnübergänge vom Schnee zu befreien und schnell wieder in Betrieb zu nehmen. Damit dies Reibungslos funktioniert, beginnen die Vorbereitungen schon im Sommer, wenn viele noch gar nicht an den Winter denken. Dann werden Verträge mit Räumfirmen geschlossen, technische Geräte geprüft und instandgesetzt und Streugut bestellt. Zudem wird die Verfügbarkeit von Schneeräumfahrzeugen sichergestellt. Für den Fall, dass Schaufel und Besen nicht mehr ausreiche, zum Beispiel bei Schneehöhen von über vierzig Zentimetern, Schneeverwehungen und starkem SchneefalI, stehen 70 bahneigene Räumfahrzeuge bereit. Leichte Schneeverwehungen werden von schweren Diesellokomotiven, sogenannten Spurloks, geräumt. Damit Weichen auch bei Eis und Schnee ihren Dienst tun können, sind von den 70.000 Weichen im Netz  49.000 mit Weichenheizungen ausgestattet. So wird das Einfrieren von beweglichen Teilen verhindert. Die etwa 10.800 Weichen an besonders betriebswichtigen und sensiblen Stellen sind mit einer speziellen Antriebsabdeckung ausgestattet.


Ein Schneeplfug räumt einen Bahnsteig im Münchener Hauptbahnhof. Foto: DB/AG
Aber nicht nur Gleise, Weichen und Oberleitungen sind im Winter besonders beansprucht, auch die Züge müssen für die kalten Monate fit gemacht werden. Bei DB Regio gibt es in Reinigungsanlagen, Werkhallen und eigens dafür errichteten Zelten über 60 Anlagen, die mit Warmwasser oder warmer Luft Fahrzeuge auftauen. Im ICE-Werk in Frankfurt am Main werden Fernverkehrszüge in einer Glykolbehandlungsanlage präpariert, damit Schnee und Eis nicht haften bleiben können. Außerdem werden die Züge während der Frostperiode vorgeheizt. Dafür gibt es in den Abstellanlagen  sogenannte Elektranten, mit denen die stationäre Energieversorgung ermöglicht wird. Dies vermeidet das Entladen der Batterien und verhindert das Einfrieren. Bei sehr niedrigen Temperaturen kann die Mechanik der Stromabnehmer während der Standzeiten vereisen und festfrieren. Um das zu verhindern werden Eisenbahner zur  Frostwache eingeteilt, die Züge kurzzeitig starten und Fahrzeugteile bewegen.  Für Loks, die älter sind als 20 Jahre gebührt besondere Aufmerksamkeit. Hier gehören Arbeiten, wie z.B. das Abfetten der Stromabnehmer, das Prüfen der Sandstreuanlage,  der Fahrzeugbatterie sowie der Scheibenheizung und das Auffüllen der Scheibenwaschanlage mit Wasser und Frostschutzmittel sowie das Entwässern der Druckluftanlage zu den Aufgaben des Winterdienstes.

Aber auch alle Vorbereitung kann nicht immer von den Unbilden der Natur schützen. Bei extremen Wetterlagen, wenn Stürme über das Land fegen und umgestürzte Bäume Strecken blockieren und Oberleitungen beschädigen, dann fallen Züge aus oder verspäten sich extrem. Dann muss oft auch die beste Vorbereitung vor der Macht der Natur kapitulieren.